Aber würdest du in die Credit reinschreiben: "dieser Song ist nach so vielen Bestandteilen von einer künstlichen Intelligenz produziert"?
Das ist etwas, was man nicht gerne zugibt, stimmt's? Es ist in Grunde wie mit irgendwelchen Quoten Jobs. Klar genießt man gerne die Vorteile von fremden Leistungen und der eigenen Leistungsminderung. Andererseits will man aber keine Quotenperson oder Apparatschik sein.
Hätte ich kein Problem damit, das ganz transparent in den Credits anzugeben.
Ich geh sogar noch weiter: Was ich eine faire Lösung fände wäre es, Suno als Bearbeiter bei der GEMA-Anmeldung anzugeben und dass dieser Bearbeiter-Anteil dann in einen Pool gehen würden, aus dem alle Mitglieder (die nachgewiesener Maßen betroffen sind, also nicht jeder, der sich einfach bei der GEMA anmeldet) eine monatliche pauschale Ausschüttung aus diesen Tantiemen bekämen.
Das wäre nur fair und ich selbst würde ja auch davon profitieren. Fände ich super so.
Was wohl noch so einigermassen laufen soll ist der Trailer-Bereich aber da müsst man heutzutage auch schon Kontakte zu den Verlagen haben. Vielleicht hast Du die ja und fragst da mal nach, wie der Stand der Dinge ist.
Ich war u.a. auch im Trailer-Bereich unterwegs.
Und ja, das war schon damals stressig und die Kollegen, die noch aktiv sind und zu denen ich noch Kontakt habe sagen, dass sie kaum noch Alben platziert bekommen, weil alles
noch viel selektiver geworden ist.
Sprich: Kannste knicken.
Hauptproblem ist, dass Menschen, die sich über Jahrzehnte selbst Skills angeeignet haben, es nun noch schwieriger haben, sich Gehör zu verschaffen.
Ja. Willkommen im Club, da haben wir was gemeinsam...
War das vor 10, 20, 30 Jahren anders? Nö.
Doch. Im PM-Bereich definitiv.
Auch wenn es seit 2010 u.a. durch die ganzen Micro Licensing-Sites, aber vor allem auch durch GEMA-freie Anbieter wie Epidemic Music oder Artlist.io stetig bergab ging, ging selbst vor 5 Jahren im upper tier noch einiges.
Da gab es immer zumindest noch Produktionszuschüsse oder im High End-Bereich wie z.B. bei Audio Network wurden Orchester und Studio immer vorschüßig vom Verlag bezahlt (allerdings gegen Abtretung Deiner Mechanicals an den Verlag, also das britische Modell, dafür jedoch alle Vorschüsse non-recoupable). Aber da kamst Du natürlich schon damals ohne Vitamin B nur schwer rein. Ich hatte zwar einen Mentor gefunden, der dort schreibt, aber bevor ich ihn im UK besuchen konnte, kam die Pandemie und so wurde daraus nix und der Kontakt ist inzwischen auch abgerissen.
Aber auch bei dem Major-Verlag für den ich früher hauptsächlich geschrieben habe sitzt, auch wenn ich sicher wieder anklopfen könnte, das Geld einfach nicht mehr so locker. Zumindest berichten mir das alte Weggefährten zu denen ich noch Kontakt habe und die dort noch aktiv sind.
Und viele hochkarätige Verlage wie KPM/APM sind mittlerweile komplett verschwunden. EMI PM wurde z.B. ja schon vor Jahren von KPM/APM geschluckt und KPM wurde nun von Extreme Music (das ist die Library von Sony/ATV, für die u.a. auch Hans Zimmer zwischen Projekten schreibt) geschluckt. Die Website wird jetzt einfach stumpf auf Extreme weitergeleitet. Und da kommste definitiv nicht rein, wenn Du nicht schon Vitamin B im Sony/ATV-Universum hast.
Selbst bei Sonoton und West One findest Du keine Ansprechpartner für Submissions mehr auf den Websites.
Also ja, es ist in den letzten 5 Jahren im PM-Bereich alles
deutlich schwieriger geworden.
Die unkaputtbare Cashcow, die die Musikindustrie durch die mp3-Krise getragen hat, stirbt jetzt auch.
Deshalb wird der Pop-Bereich wieder zunehmend interessant imho.