Der große Sprecherraum-Mikrofonvergleich

  • #1.621
Ich hatte heute mal kurz ein TLM 67 zur Verfügung und habe es mal parallel gegen das MT 71s antreten lassen, also an den beiden TM 101 alles ausgeschaltet und dort direkt die beiden Signale abgegriffen, aufgenommen und danach separiert. Keinerlei Bearbeitung.

TLM 67:



MT 71s:



Unbearbeitete Dateien wie immer als WAV. Besprechungsabstand ungefähr 25 cm. Der Text stand in der Mitte und ich habe praktisch durch die Lücke zwischen beiden Mikrofonen durchgesprochen und mir einen Hakan-Schaumstoff vor den Mund gehalten.

Matthias
 
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  • #1.622
Die Mikrofone klingen beide viel zu bedeckt, um die Aufnahmen beurteilen zu können. Klar klingt das TLM 67 dunkler als das MT 71, aber jedes Mikrofon sollte direkt und optimal positioniert angesprochen werden und der Popfilter gehört eine knappe Handbreit vor den Mikrofonkorb, nicht vor den Sprecher. Und das Skript darf durch Reflektionen keine Klangveränderung bringen, z.B. Kammfiltereffekte etc. Und wenn die Mikrofone zu nah beieinander hängen verändern sie auch gegenseitig ihren Klang. Das funktioniert leider nicht, wie gedacht. Die Versuchsanordnung ist leider fehlerbehaftet.
Diese manchmal fetischhaft angestrebten "one-take-Vergleiche" bringen für Sprachaufnahmen gar nicht so viel, wie für Gesang. Damit meine ich nicht Dich, sondern sage das allgemein. Daß Du regelmäßig Deinen Duktus, Betonungen und den Ansprechdruck reproduzieren kannst, ist doch eine Deiner Stärken. Play to your strengths. Schöner neuer Text. by the way.
 
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  • #1.623
Es wurde hier ja so gewünscht, daher wollte ich das jetzt mal so machen. Ich bin ja auch kein so großer Fan dieser Vorgehensweise. Aber meiner Meinung nach bekommt man da trotzdem einen gewissen Eindruck. Der Text war übrigens weit genug weg und vom Winkel her eher nicht dazu geeignet, für unerwünschte Reflexionen zu sorgen.

Meiner Meinung nach klingt das TLM 67 ganz nett, rund und unaufdringlich, hat längst nicht die Nervigkeit eines U 87. Allerdings erscheint es mir insgesamt recht unpräzise und undifferenziert zu sein. Also die nicht so vordergründigen S-Laute sind ja erst mal von Vorteil, aber am Ende zählt für mich mehr, dass ich die kräftigeren (aber präziseren) S-Laute des MT 71s besser bearbeiten kann. Wenn man irgendwo aufnehmen muss, wo man keinerlei Möglichkeit der Nachbearbeitung hat, würde ich vielleicht sogar das TLM 67 vorziehen, aber insgesamt kann man mit dem Signal des MT 71s wohl mehr machen.

Matthias
 
  • #1.624
Ich habe hier auch keine Reflexionen gehört, weiß aber aus Fotos aus etlichen Situationen von Kolleg:innen, daß darauf beim LEsen vom Tablet nicht so oft geachtet wird. Daß Du solche Texte vom Blatt liest, weiß ich. Aufgrund meiner Vergangenheit mit dem TLM 67 bin ich etwas vorbelastet in meinem Urteil und ziehe es dem MT vor. Mit leichter Kompression kann man den Klang schön nach vorn bringen und hat viel davon. Eine Winzigkeit zu dunkel kann mein Ohr besser ausgleichen und über längere Zeit hören als ein nerviges Signal; nur mal so als Formulierung des offensichtlichen Gegensatzes. Auf meinem sehr präzise und dennoch musikalisch aufspielenden Gastkopfhörerverstärker aus Nettetal mit dem NoireX klingt das TLM 67 bis auf eine minimale Kompression und etwas flache Reduktion zwischen 300 und 400 Hz fast fertig.
 
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  • #1.625
Ich finde den Vergleich ehrlicher.
Ja, Mikrofone mögen eigene Abstände, aber überbewerten sollte das man nicht.
Es kommt auf das Große und Ganze an.

Bei dem identischen Take kommen alle Vorbehalte die ich gegenüber dem TLM67 habe, zur Geltung
Es ist einfach schlecht abgestimmt, es klingt nur bei Vollmond und bester Handhabung brauchbar.
Das TLM49 ist auch so ein Mikro.

Das TLM67 geht gar nicht, das klingt verwischt, unpräzise und zu dunkel.

Das MT71s klingt deutlich besser.
Das passt sofort.

PS:
Oh, jetzt muss ich wegen der Länge meines Textes noch angeben, ob KI beteiligt war oder nicht.
Darauf habe ich Null Bock, da schreibe ich lieber nichts mehr!

Arrivederci
 
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  • #1.626
Diese neue Funktion ist tatsächlich ein wenig nervig, auch wenn es nur ein einziger zusätzlicher Klick ist. Vielleicht kann das noch ein wenig optimiert werden, auf welche Weise auch immer.
 
  • #1.627
Ich find'se super. Die Funktion.
 
  • #1.628
Naja, nun jedes Mal extra bestätigen, dass man den Text selbst geschrieben hat?
 
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  • #1.629
Das ist wie seinerzeit die Anschnallpflicht ... auch bloß schnell von der Haustüre zum Zigarettenautomat.
 
  • #1.630
Echt? Das war's jetzt hier mit Antworten? Wegen eines zusätzlichen Mouseklicks ab 500 Zeichen?
 
  • #1.631
Ich ziehe auch hier das MT 71 S vor. Es ist hörbar sauberer als das TLM 67.
 
  • #1.632
Ich hatte heute mal kurz ein TLM 67 zur Verfügung und habe es mal parallel gegen das MT 71s antreten lassen, also an den beiden TM 101 alles ausgeschaltet und dort direkt die beiden Signale abgegriffen, aufgenommen und danach separiert. Keinerlei Bearbeitung.

TLM 67:

Anhang anzeigen 165898

MT 71s:

Anhang anzeigen 165899

Unbearbeitete Dateien wie immer als WAV. Besprechungsabstand ungefähr 25 cm. Der Text stand in der Mitte und ich habe praktisch durch die Lücke zwischen beiden Mikrofonen durchgesprochen und mir einen Hakan-Schaumstoff vor den Mund gehalten.

Matthias
Das TLM 67 klingt meiner Meinung nach besser.
 
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  • #1.633
Interessant – genau gegensätzlich... Womit wir wieder bei der Frage wären, was nun "besser" oder "schlechter" ist. Ich würde immer die präzisere Aufnahme bevorzugen, die ich besser bearbeiten kann. Denn wenn schon die Rohaufnahme eher undefiniert ist, kann ich da kaum was rausholen, wenn es nicht zufällig gleich passt.

Also ich bleibe dabei, dass es schon einen Grund hat, warum ich nie ein TLM 67 gekauft habe. Ich will es auch nicht in Grund und Boden kritisieren, aber es würde für mich nichts lösen, was nicht andere Mikrofone bereits besser machen.

Matthias
 
  • #1.634
Wenn Du das TLM 67 noch hast, würde mich ein Vergleich mit dem UM 70 interessieren. 🤓
 
  • #1.635
Neee, ist schon wieder weg. Ich wollte es ja bewusst gegen ein ebenfalls transformatorloses Mikrofon antreten lassen. Aber ich hatte es vorher auch an den Schnittplatz montiert und die komplette Kette eingestellt, so dass ich morgen mal den Text von der bayerischen Bahnbaustelle bereitstellen kann. Dann haben wir den Vergleich zum UM 70, wenn auch nicht gleichzeitig aufgenommen.

Matthias
 
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  • #1.636
Hier nun das TLM 67, im Nachhinein habe ich da vermutlich zu viel von den S-Lauten weggenommen, es kann aber auch sein, dass das TLM 67 wirklich so klingt:



Und zum direkten Vergleich noch mal das UM 70 von neulich:



In der Mischung sind beide sogar ziemlich nahe bei einander, und man kann sich ja beim EQ-ing jeweils noch mehr Mühe geben. Das mache ich dann, wenn ich den Dan-Clark-Kopfhörer endlich mal benutzen kann.

Das TLM 67 wäre da sicher kein Totalausfall, aber das UM 70 gefällt mir noch eine Spur besser. Alles ist etwas definierter und klarer. Das TLM 67 geht mir fast schon ein wenig in Richtung "Säuferstimme".

Vom Gesamtklang her finde ich das TLM 67 aber wirklich bekömmlicher als das U 87, das hatte ich ja neulich auch mal wieder versucht:



Eins ist aber klar: bei einem Off-Text, der in eine Mischung mit Musik und Atmo eingebettet ist, relativiert sich vieles. Richtig schlecht sind die da alle nicht, ob nun mit M7-Kapsel oder K870/67.

Im Nachteil ist dann eher die M930-Kapsel, da ist mir das M 930 Ts zu "seidig" und zu wenig "kernig":



Gehe ich eigentlich recht in der Annahme, dass es sich mit CK12-Mikrofonen, also C 12 oder Elam 251, so ähnlich verhalten würde? Für Gesang kann ich mir sowas sehr gut vorstellen, aber eben nicht für reportermäßige Off-Texte.

Matthias
 
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  • #1.637
Gehe ich eigentlich recht in der Annahme, dass es sich mit CK12-Mikrofonen, also C 12 oder Elam 251, so ähnlich verhalten würde?
Die CK 12 Kapseln sind eher auf der Seite der 930er einzuordenen. Ich finde, dass man damit auch sehr gut Sprache aufnehmen kann. Ich möchte mein M 990 nicht mehr missen. Hier auch ein Beispiel des Siemens 204/AKG C 12 mit einem alten Neumann U 47 (K49) im Vergleich. Die BBC wie der ORF haben mit dem AKG viel gearbeitet.
 

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  • #1.638
Ja, meinte ich ja: auf der 930/990/1030-Seite. Da lande ich ja auch immer, wenn ich Texte aufnehme, die für sich alleine stehen. Aber sobald es um Off-Text in einer Mischung geht, bin ich mit dem M7-Ergebnis zufriedener.

Vielleicht braucht man wirklich beides. Aber an sich wäre es mir am liebsten, auch für den Sprecherraum ein einziges Mikrofon zu finden, welches dann dort dauerhaft bleibt und man nicht ständig wechselt. So wie ich jetzt am Schnittplatz das UM 70 lassen werde.

Das M 92.1s wäre derzeit dort mein Favorit, allerdings mit dem kleinen Wehrmutstropfen, dass ich es nicht in der EA 92 betreiben kann, weil ich damit ein Körperschallproblem habe. Mit der Rycote USM oder der China-Spinne ist das Problem gelöst, weil beide am Schaft anpacken und ihn nicht aufschwingen lassen. Aber so richtig gefällt mir beides nicht. Das UM 70 (der MV 692 hat ein schwarzes Gehäude) finde ich in der Rycote USM jedoch unproblematisch, also da stört mich nichts.

Ich könnte ein altes CMV 563 mit schwarzem Gehäuse und alter M7s in den Sprecherraum in eine Rycote USM spannen...

(bei Solo-Texten würde ich ohnehin mit Izotope* entrauschen)

Matthias
 
  • #1.639
Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mich seit jeher auch die damalige Radio-Luxemburg-Lösung begeistert: die haben ihre ganzen U 47 in den Studios an jeweils zwei Ketten abgehangen. Das wäre sicher kein großes Problem, entsprechende Übergangsstücke zu bauen, vielleicht unter Nutzung von größeren Aufziehschlüsseln.

Ich bin mit Herrn Stenzel im Gespräch. Seine modernisierten CM 7151 sind technisch sicher super interessant, aber auch Riesenteile, und ich bin mir sicher, dass ich mir sowas nicht in den Sprecherraum hängen möchte. Da finde ich seinen U47-Nachbau schon interessanter. Wenn ich meinen Bestand radikal reduziere, dann würde sich sowas im Sprecherraum sicher sehr gut machen. Die M7-Kapsel passt für mich einfach perfekt.

Man kann dann zwar nicht mehr mit einem Tastendruck Tisch und Mikrofon gemeinsam in die Stehposition hochfahren, aber diese Möglichkeit nutze ich ohnehin kaum mal.

Ich habe das mal skizziert. Falls jemandem ein Gedankenfehler oder irgendwas auffällt, was dagegen spricht, freue ich mich über eine Meldung. Die Mikrofonleitung habe ich nicht dargestellt. Die kommt aus dem Stativanschluss und geht einfach nach oben weg, wo sie mit einem gewöhnlichen Clip an dem K&M-Tischflansch fixiert wird.

Matthias


u47-kettenabhaengung.webp
 
  • #1.640
Von Deinen letzten Hörproben finde ich, daß sich das UM 70 tatsächlich als für Dich sehr gut passend erweist. Mir hat das TLM 67 im Mix gut gefallen, kann aber verstehen, wenn es Dir nach Deinem Gefühl nicht sooo gefällt. Mir war spontan die Aufteilung UM 70 Regie und TLM 67 Aufnahmeraum in den Sinn gekommen. Das TLM ist tatsächlich passender als das U87. Und die seidigkeit des M930/M990 ist nicht verkehrt, liefert aber nicht so viel Griffigkeit und Fundament wie das UM 70/TLM 67. Alternativ und etwas entschärft ist auch das MT71 gut.

Ah, sehe eben erst Deinen nächsten Post:
und wie wird die Kettenlänge dann für andere Positionierungen eingestellt? Mit einem Karabiner, der umgehängt wird? Gibt es in der Aufhängung ein federndes Element?
 
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