Was ich mich die ganze Zeit frage. Gibt es dazu wirklich keine allgemeingültige Lehrmeinung?
Naja, doch, an sich schon.
Worüber sich ja alle (selbst hier im Thread) einig sind: Die drei Akkorde kommen aus C-Dur bzw. A natürlich Moll. Beide Modi (denn wirklich unterschiedliche Tonarten sind es ja nicht) bieten dasselbe Akkordmaterial an, dieselben Erweiterungstöne und natürlich dieselben Melodietöne.
Soweit die an sich vollkommen unbestreitbare Lehrmeinung.
Problematisch wird's eben dann, wenn sich klassische und - sagen wir mal - "moderne" Theorie nicht ganz einig sind. Für den einen braucht's dann eben, um einen stabilen Molltonika-Charakter zu erzielen, zwingend eine zu der Tonika passende Dominante (wurde hier im Thread ja auch mehr oder minder exakt so erwähnt). Aber 'nem Jazzer (oder eher noch einem Funker/Souler/Popper) brauchste damit nicht kommen, denn da reicht dann eine Akkordfolge wie die von "Oye Como Va" vollkommen aus, um sicherzustellen, dass wir es mit einem um Am kreisenden Gesamtklang zu tun haben.
Für mich ist das bei der vorliegenden Akkordfolge dann auch ganz genau so - und meiner Meinung nach ist das auch theoretisch vollkommen hinreichend abgedeckt, ferner lässt es sich durch etliche Praxisbeispiele belegen. "Rolling In The Deep" (Adele) klingt halt nicht wirklich nach E-Dur, sondern ziemlich eindeutig nach C#-Moll. Ich kenne auch niemanden außerhalb dieses Threads, der das anders sehen würde. Wenn man die Nummer bei 'nem Job spielt (wird dann eben gerne mal auf den jeweiligen Gesang hin transponiert) und es wird gefragt, in welcher Tonart das gegeben wird, dann kommt da bspw. ein "C" - und es ist vollkommen klar, dass wir dann über C-Moll reden. Ohne jegliche Ausnahmen. Wer da dann munter mit einem A-Moll anfängt, hat verloren.
Ich persönlich finde die Diskussion über just diese Akkordfolge von daher auch regelrecht abenteuerlich, weil es für mich sowas von sonnenklar ist, dass wir von A-Moll reden. Ob da später im Song mal ein C-Dur Akkord kommt und alles auf den Kopf stellt, stand ja niemals zur Debatte.
Und wenn man irgendwelchen Schülern beizubiegen versucht, dass es auch durchaus modale Akkordfolgen gibt (zumindest für einige Modes), dann ist die hier behandelte einfach eines der Paradebeispiele für den äolischen Modus. Und das ist halt ohne Wenn und Aber ein Moll-Modus.
Dann weiß ich natürlich nicht, wie das in den Ohren/Köpfen anderer Mitforisten so rüberkommt, aber wenn ich die Akkordfolge länger im Kreis spiele und dann irgendwann mal das Am durch ein C ersetze, dann wird da tatsächlich alles über den Haufen geworfen. Da gibt's dann durchaus diverse Deutungsmöglichkeiten a la "kurzer Ausflug ins parallele Dur" oder auch "Ah, da sollte es also eigentlich hin!", aber der Bezugscharakter wandelt sich in just dem Moment so oder so doch fundamental. Was für mich im Umkehrschluss bedeutet, dass wir vorher eben nicht mit C-Dur sondern mit A-Moll hantiert haben.
Da gibt's sicherlich immer noch Deutungsmöglichkeiten, aber wie gesagt, aus meiner Praxis kann ich nicht sagen, dass es mir jemals so vorgekommen wäre, irgendjemand würde das tatsächlich in C-Dur verorten.