Dein Höreindruck stimmt: Das ist Echokammer, keine Platte und kein Federhall. Die Quelle ist gut dokumentiert, weil Spectors Toningenieur Larry Levine und die Gold-Star-Gründer Dave Gold und Stan Ross darüber ausführlich gesprochen haben.
Spector arbeitete ab 1962 fast ausschliesslich in Gold Star Studios, Hollywood. Dave Gold hatte dort zwei Echokammern selbst gebaut: betonierte Räume mit unparallelen, hart verputzten Wänden, Lautsprecher an einem Ende, Mikrofon am anderen. Sie galten in Los Angeles als die besten überhaupt – mit einer Nachhallzeit, die nach Angaben der Beteiligten im Bereich von einigen Sekunden lag, und einem sehr dichten, mittenbetonten Charakter. Diese Kammern sind der eigentliche Sound der Ronettes-, Crystals- und Righteous-Brothers-Aufnahmen.
Die Methode dahinter war ungewöhnlich: Spector liess in Studio A, einem kleinen Raum, bis zu drei Gitarren, zwei bis drei Pianos, mehrere Bässe und Bläser gleichzeitig spielen. Durch die Enge gab es massives Übersprechen zwischen den Mikrofonen. Levine mischte das live auf eine Mono-Summe, schickte diese in die Kammer und mischte den Rückweg wieder dazu – wobei die Kammer so viel Signal bekam, dass der Hall nicht als Effekt, sondern als Teil des Instrumentenklangs wahrgenommen wird. Einzelsignale wurden praktisch nie trocken belassen. Dazu kam Tape-Slapback vom Ampex-Bandgerät, teils auf die Kammer gelegt.
Entscheidend: Es gab keine Möglichkeit, den Hall nachträglich zu korrigieren, weil alles schon beim Aufnehmen auf drei Spuren zusammengefasst wurde. Die Balance zwischen Kammer und Direktsignal wurde im Raum entschieden.
Später, bei den Beatles- und Harrison-Produktionen um 1970, nutzte er die Kammern von A&M Studios und Abbey Road, die ähnlich gebaut waren. Die Gold-Star-Kammern selbst gingen 1984 bei einem Brand verloren.