Was ist deine Philosophie beim Mischen?

  • Ersteller Ersteller RefinedRough
  • Erstellt am Erstellt am
RefinedRough

RefinedRough

Holz Ohren
Registriert
26.07.09
Beiträge
11.460
Reaktionen
5.768
Punkte
54.431
Mit welchem Mindset geht ihr ans Mixing ran?

Um kurz auszuschweifen - im vergangenen Jahr habe ich m.M.n stark nachgelassen beim Mischen von Liedern und auch ein bisschen die Lust verloren dadurch. Oder es ist wohl eher ein Teufelskreis. Ich habe versucht herauszufinden, woran das lag und bin auf mehrere Gründe gekommen.

Zum einen habe ich bei meinen "Brot-Jobs" (Video- und Filmton, viel Dialoge) einen sehr stark automatisierten Workflow, also ich habe Makros, Tastenkommandos und etablierte Effektketten / Presets bis der Arzt kommt um mir möglichst viel Aufwand zu sparen, deadlines einzuhalten und preislich attraktiv zu bleiben. Das hat sich bei Musik auch ein bisschen eingeschlichen, ich behandle alles quasi unter Zeitdruck. Das ist schlecht (für mich).
Ein weiteres Standbein, was stark zugenommen hat, ist Mastering. Da höre ich ganz anders hin als beim Mischen & bin natürlich auch viel kürzer an einem Song beschäftigt. Das spielt ebenfalls mit rein, dass ich beim Mixing weniger befreit vorgehe. Und ich habe auch weniger Mixing-Aufträge als früher.

Wenigstens kann ich froh sein, dass die Ohren verhältnismässig zum Alter nicht zu stark nachgelassen haben, ich kann's also nicht darauf schieben :D

Zur weiteren Reflexion gehört wohl einfach auch der Abschnitt wo man in einer "Mixer-Karriere" gerade steckt. In meiner Beobachtung gibt's da verschiedene Stufen, die ich auch so wieder bei Neulingen in meinem Umfeld bemerke.

Eine leicht zugespitzte Darstellung:

Stufe 1:
Man hat keine Ahnung von der Technik, weiss nicht was ein Kompressor macht, geschweige denn wie man ihn einstellt. Aber die Intuition lässt einem vieles richtig machen. Klar, ist etwas vergangenheits-schöngefärbt, der Grossteil war natürlich Mist :) zu meiner Zeit gabs halt auch noch kein Youtube und co, nur experimentieren hat geholfen.

Stufe 2:
Man versteht jetzt die Technik und was all die lustigen Plugins können und geht dadurch gezwungenermassen auch etwas von der Intuition weg, man mischt sehr sauber und will alle Elemente gleichberechtigen und so gut darstellen wie nur möglich. Die Mixe werden steril, technisch perfekt und langweilig. Man hat bald jedes Plugin, dass es gibt. (Bei mir ist die Stufe schon etwas her, damals waren so lustige *Gratis-Plattformen* noch gang und gäbe, weil auch Waves und co etwa so viel wie ein Haus gekostet haben):sx3:

Stufe 3:
Man erkennt, dass clean nicht die generelle Lösung sein kann versucht jetzt gezielt Ecken & Kanten einzubauen, man merkt, dass die Intuition, mit der man anfänglich ran gegangen ist, abhanden gekommen ist. Die besten Songs haben oft ziemlich komische Mixe, aber sie dienen dem Gefühl. Man ist lost und jeder Mix klingt völlig anders. Man jagt jetzt den Charakter. Das führt dann zu

Stufe 4:
Man entdeckt Sättigung und fängt an, alles mit Charakter voll zu ballern. Man macht ein paar echt nice charakterstarke Mixe. Man sättigt noch mehr. Und noch mehr. Bis alles wieder eine flache Pfütze ist :)

Stufe 5:
Nach all den Jahren sollte man im Kopf jetzt ungefähr so weit sein, dass man diese Auswüchse abhaken kann. Man nutzt nur noch wenige Plugins (oder Hardware) weil man weiss, dass irgendwie eh alles das gleiche ist. Hat man 1 EQ, hat man alle EQ's. Man wird puristischer und kann andere, schlechte Mixe sofort verurteilen. Es hat sich aber auch etwas totgelaufen und der Spieltrieb neues zu entdecken ist ziemlich gering geworden. (Was ultimativ schlecht ist) Eine gesunde Balance muss her.

----

Ich habe den Mischer Serban Ghenea für mich entdeckt (für euch bestimmt ein alter Hut, ich habe mich irgendwie nie wirklich mit den Grössen beschäftigt, bzw schon lange nicht mehr) und viele seiner Mixe analysiert. Das hat in mir einerseits ausgelöst, dass ich meine eigenen Mixe daneben mies empfinde, ABER es hat mir auch einen riesigen Motivations-Boost gegeben und in den letzten Tagen geholfen, mich wieder neu zu erfinden, wieder mit einem frischen Ansatz zu starten und nach grob geschätzt 15 Jahren ernsthaft Mischen mal endlich REVERBS VERSTEHEN LERNEN (mein Kryptonit). Was räumlichkeit angeht, ist der Typ einfach crazy.

Es hängt echt alles von der richtigen Motivation und INSPIRATION ab. Ich verstehe auch Leute wie der Rick Rubin immer mehr und mein Zielt ist es auch, ein Song erst mal auf Gefühlsebene zu verstehen bevor man überhaupt eine Spur anfasst. Es schliesst sich quasi der Kreis im besten Fall und man schafft es, wieder intuitiv das richtige zu machen statt sich in tausenden Tools zu verlieren.

Jetzt nach der ganzen Text-Wall weiss ich eigentlich gar nicht mehr, was ich sagen wollte. Wahrscheinlich einfach nur ein bisschen Therapiekreis, weil's alleine langweiliger ist. :bhug:


Und wie krumm verläuft bei euch so das Mischer-Leben..?
 
  • Danke
  • Interessant
Reaktionen: adt-paulchen, jet2, DaVogi und 13 andere

Ich mische so gut ich kann und gut ist.
 
Ich kann's nicht.
 
Anders als einige (vielen?) hier empfinde ich den Mix nicht als Sache, die man ungern macht. Mir macht das Spaß. Musik ist, anderes als bei dir, bei mir natürlich nur ein Hobby. Heißt also, da fließen im Bestfall auch einige Stunden rein. Bei Contests unter Zeitdruck ist das Ergebnis oft suboptimal, aber ich verfeinere das immer im Nachhinein und bin dann meist aus meiner Sicht zufrieden damit.

Hauptziel dabei: ich will alle Instrumente und Drums im Mix auch hören können, Muddyness entfernen. Die Kick und der Bass sollen drücken, bei den Vocals (wenn vorhanden) alles verständlich sein. Schaffe ich das -> Ziel erreicht.
Natürlich sind die besten Mixe die, bei denen man kaum mischen muss. Idealerweise also Drums, Bass, Gitarre, Vocals und vielleicht noch ein Synth. Klassisches Band-Setup eben.
Diese Art Musik mache ich aber leider nicht. :smil451c7211b9e19: Einordnen kann ich mich bei keiner Stufe. Nur die erste möchte ich nach all den Jahren doch recht gern ausschließen. :smil451d632849b7b:
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Danke
Reaktionen: occ shredder, RefinedRough und MountainKing
@RefinedRough

Da fällt mir nur der Satz von Krish Sharma ein:

"The Mix Sounds good, but more importantly than that: the Mix feels good!"

Ich versuche genau das umzusetzen.

Und er hat ja recht, es gibt alte Lieder aus den 50/60 er die nicht optimal klingen, aber verdammt gut eine Stimmung erzeugen.
 
  • Danke
Reaktionen: adt-paulchen, gyn, occ shredder und eine weitere Person
Bei mir oszilliert es hin und her, und ab und zu merke ich, wie viel weiter (oder anspruchsvoller) ich bin als früher. Das heißt nicht, dass es nicht trotzdem noch daneben gehen kann. Vor allem wenn man müde ist.

Die Stufen kann ich so für mich nicht nachvollziehen.

Immer wieder merke ich, dass das Ausgangsmaterial auch das Ergebnis hergeben muss. Und das einem manche Sachen eher liegen als andere. Und das viele verschiedene Wege möglich sind.

Mein Ziel ist nach wie vor eine Engine zu bauen, eine Grundkonstellation die mit einigen Tweaks zu sehr guten Mischungen führen, ähnlich wie das die Lord-Alges machen. Da ich mit Hardware arbeite und zu faul zum resetten bin (und neuverpatchen sowieso) ist das auch naheliegend. :finger:
 
  • Danke
Reaktionen: RefinedRough
bei mir so:
ich frage mich zuerst, welche Mixe mir am besten gefallen, idR sind das solche die nicht in den Charts stattfinden, quasi Mixe mit Erkennungswert oder so

ich stelle dann weiter fest, das diese Mixe nicht perfekt sind, und ich weiss, das ich via Gehör diese inspiriert kopieren kann, also weitestgehend

daher mixe ich meinen Kram nach gehör, und scheitere im Mixprozess immer und mit Ansage dann, wenn ich diesen Weg verlasse, wenn ich zB Analysetools nutze und MatchEQ etc einsetze isses immer schlechter am Ende als wenn ich nur via Gehör arbeite
 
  • Danke
  • Interessant
Reaktionen: adt-paulchen, FrieseTLM170 und RefinedRough
  • Gute Antwort
  • Danke
Reaktionen: jet2, RefinedRough und RK79
Augen zu und durch :D

Ich sehe mich noch auf Stufe 1.
Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich das nicht so gut kann mit den Mixen.
Das alles sauber auseinanderzuhalten und vorallem gut und wohlig ästhetisch klingen zu lassen ist schon nicht einfach.
Try und Error nutze ich viel. Kostet viel Zeit, aber das ist für mich der lange Weg des Lernens. Ich koche auch ohne Rezepte :)
Ich meine aber, dass die Mixe, die mich tendenziell zufriedenstellen (irgendwas ist ja immer) sich häufen und weniger "Try and Error" benötigen.

Den Mixprozess oder auch Murksprozess, starte ich meistens mit Drums und Bassgitarre. Kick und Snare bekommen nen Kompressor und was mit nem Eq. Snare Hall, Room oder Plate. Was auch immer sich für mich dann passt. Bass Kompressor, Eq, manchmal etwas Chorus. Ich bin Presetnoob und nutze oft die gleichen Plugins. Kick und Bass zur Einheit zu bekommen finde ich schwierig. Mal klappt es, mal nicht.
Wechsle aber zb. bei den Drums auch von Projekt zu Projekt, also nie den gleichen Drumssound.
Als nächstes Gitarren. Panning, Eq, Kompressor (Preset, wie zb. beim Dyna-Mu "Guitar Boost" - weil Name geil klingt :D ), evtl. etwas Hall,Room etc..Eigentlich immer etwas unterschiedlich.
Ich beschneide die oft unterhalb 200hz, manchmal noch mehr. Wie auch den Gesang.
Alleinstehend manchmal ganz schön dünn. Mache ich dies nicht, kommt sich der Gesang mit anderem Dingen in die Quere. Je nach Projekt und Instrumenten.
Wenn dieses "Grundgerüst" steht, kommt der Rest.
Am Ende auf Mono switchen und schauen, was da nicht oder schlecht zu hören ist. Manchmal etwas lauter dann oder par Höhen rein.
Oft sind meine Mixe von Grund auf zu Höhenbetont, so dass dann mit nem Master Eq (nutze aktuell gern den von IK Lurrsen Mastering Eq) am Ende gegenangesteuert wird.
Try und Error dann immer wieder auf 3 bis 4 verschieden Abhörmöglichkeiten gegenhören.

Aber so eine professionelle Klangwurst habe ich noch nicht geschafft.

Edit, eins noch.
Ich habe immer nur genau einen Mix als Projekt gespeichert. Wenn ich der Meinung bin, dass ok, gehts zu den ganzen verschiedenen Abhören und ich mache mir Notizen. Dann wieder an den Rechner und gegenansteuern.
Wieder hören usw. Irgendwann stört mich dann nur noch was an meinem Mix (und One Button Master), wenn ich mit professionellem Material vergleiche.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Danke
Reaktionen: RefinedRough
  • #10
Meine Philosophie ist, dass ich sagen wir Mix 01 bis Mix 10 zwischenspeichere. Und dann vergleiche ich nach Abstand mit frischen Ohren, ob es eine Verbesserung gab zwischen den vielen Schritten. Ich suche mir dann den Zwischenstand aus, der für mich nach Abstand am besten klang und wiederhole das Prozedere. Oft ist es so, dass ich eher Schritte zurückgehe. Manchmal fange ich auch ganz von vorne an, hab aber dann schon Erfahrung mit dem Material und verhaspel mich dann weniger.
 
  • Danke
  • Interessant
Reaktionen: RefinedRough und holgi
  • #11
Das wichtigste beim mixen ist für mich, möglichst früh eine Vision des Endergebnisses (vor dem inneren Auge/Ohr) zu definieren. Natürlich auch unter Einbezug des Wunschs des Artists. So wird klar, was ich eigentlich konkret zu tun habe. Diese Visualisierung (gibt es Audialisierung? LOL) ist zwingend notwendig, weil es unendliche viele mögliche Resultate gibt, die auf verschiedenen Wegen erreichbar sind, ich aber nur einen beschreiten kann, weil ich ja eine Dienstleistung innerhalb einer gewissen Timeline anbiete und nicht auf der endlosen Suche bin. Das Technische habe ich intus und ich kann mich dann ziemlich "treiben lassen" auf dem Weg zu dieser Vision. Da ist dennoch oder gerade deswegen auch immer Platz für Neues, Kreatives auf diesem Weg.

Obwohl ich diesen Job seit Jahren täglich mache, verrenne aber auch ich mich immer mal wieder, lande in Sackgassen oder krieg's erst beim fünften Anlauf auf die Reihe... und dem liegt tatsächlich immer nur eins zu Grunde, nämlich dass ich von der anfänglichen Visualisierung auf dem Weg abdrifte oder sie verwässere. Dafür gibt es viele Gründe, es kann ein Song sein, den ich höre, der mir plötzlich als bessere Referenz als die bisherigen erscheint, oder ein Tool, dass ich ausprobiere und zu geil finde, oder den plötzlich auftretenden inneren Drang einmal etwas anders zu machen etc. Dieser Prozess macht mir immer wieder Spass, nervt oder frustriert manchmal auch, aber so bleibt es spannend.

Der technische Aspekt beim Mixing hat durch die Routine und das Mindset tatsächlich fast komplett an Relevanz verloren. Klar, ist es immer wieder spannend, neue Techniken zu ergründen oder neue Methoden oder Tools auszuprobieren. Aber das hat eigentlich nichts mit dem Mix eines Projekts an sich zu tun, sondern dient mehr allgemein dem Workflow oder Abkürzungen zu bestimmten Zielen.
 
  • Danke
  • Interessant
  • Gute Antwort
Reaktionen: Hyp, diagnostix, Eiermann und eine weitere Person
  • #12
Da ich mit Hardware arbeite und zu faul zum resetten bin (und neuverpatchen sowieso) ist das auch naheliegend.
Kann ich nachvollziehen, hab ja auch ein paar Gerätlis.. und das auch seehr lange so gehandhabt, allerdings irgendwann gemerkt, dass ich das Potential der Teile so überhaupt nicht ausschöpfen kann und mit Plugins am Ende was besseres hab. Seit ich auch bei Hardware wieder *mutig* genug bin, einfach alles zu verdrehen, wird's besser. Es kommt natürlich auch ein bisschen drauf an, was für Geräte.. aber ich wollte mich aus dem freeze-Zustand unbedingt wieder lösen.

scheitere im Mixprozess immer und mit Ansage dann, wenn ich diesen Weg verlasse, wenn ich zB Analysetools nutze und MatchEQ etc einsetze isses immer schlechter am Ende als wenn ich nur via Gehör arbeite
Das ist ein interessanter Punkt.. da muss ich mich dringend auch noch an der Nase nehmen und etwas weniger mit den Augen Mischen. Zumindest im Anfangsstadium bis der Mix zu 80% steht wäre das sicher sinnvoll. Ich hab mir sogar eigene Profile auf den Match-EQ gelegt, habe zb. eine Kurve generiert, anhand vieler Popsongs die mir gefallen und daraus dann eine etwas geglättete, pinknoiseähnliche Kurve gebastelt um Spuren auf die - ich nenne es mal - Nulllinie zu schubsen. Hat mir schon geholfen, aber hat mir auch schon was gehörig verbockt. Mit sowas rutscht man halt sehr schnell in's Malen nach Zahlen & das geht dann gegen das Gefühl.
 
  • Danke
Reaktionen: adt-paulchen und holgi
  • #13
das ist bei mir Erfahrung mit meiner Musik und meinem Sound, ich mische recht zuverlässig innerhalb ner Stunde meinen Sound zu geschätzt 90%, einfach via EQ und Lautstärkenangleich

der Rest ist dann Jahresaufgabe
:-D

früher brauchte ich Analysetools um zu verstehen, warum es doof klingt
 
  • #14
@RefinedRough , du bist so geil 😂😂
Die ganzen Phasen haben wohl alle mitgemacht, zumindest diejenigen die es schon länger machen.

Es gibt 2 Möglichkeiten.
1. Du befindest dich in einem neuen Lebensabschnitt in dem du einfach ruhiger wirst, so einiges als langweilig empfindest, es erfreut nicht mehr so wie es zuvor mal war, da suchst du jetzt nach und das hemmt dich . Lass los, Versuche nicht das zurück zu holen. Nehm es hin finde dich damit ab und es wird Ruhe einkehren und wirst dich an wirklichen erfreuen, auch an kleinen Dingen.

2. Es liegt am Song selbst am Arrangement.
Mach dir klar wie du den Song wahrnimmst, was könntest du dem Song geben das er deinen Vorstellungen nahe kommt und ist das überhaupt möglich.
Es gibt Songs die flutschen nur so durch und alles klingt wunderbar.
Warum weil man auf einer Wellenlänge mit dem Song ist, da der Song einfach geil gemacht ist.

Und wenn du bedenken hast an dir zweifelst wegen des hofa Songs, dann beruhige dich.
Die Original Mischung ist schon daneben, das liegt an dem Song das was dieser transportiert, für mich nix und das hofa da rum trixt wenn es um ausgeprägte mitten und Impact und psycho akustische Phänomene geht, weil der Inhalt nichts hergibt, will / muss man mit anderem versuchen zu glänzen.

Kurz gesagt stell dir jeden Song einfach auf einer Bühne vor und misch den Song auch wenn dieser für dich geschmacklich nicht in Frage kommt, dann wird es schon.

Sei abgebrühter, gerade heute.
Ich behaupte mal das nur noch 5% wissen ob etwas gut klingt.
Die hören nur noch über Ohrstöpsel/Khs.

In den 80/90 hat man noch Musik aus den Häusern wahrgenommen, weil sie über LS gehört haben, heute ist alles Still.


Egal, wie man's macht ist's rischtisch 😁

Frohes Fest.
 
  • Danke
Reaktionen: RefinedRough
  • #15
Ich kann zwar nicht gut mischen, habe aber trotzdem eine Philosophie ;-).

1 Schritt: Panorama-Verteilung
-> ich stelle mir dazu vor, der Song ist ein Text und man hört ihn in Leserichtung, also von links nach rechts. Weil links "eher" kommt als rechts, repräsentiert für mich links die Seite der Jugend und rechts die Seite des Alters. Deswegen lege ich tendenziell höhere Klänge lieber links und tiefere eher rechts. Auch bei Call & Response Sachen kommt bei mir links vor rechts.​

2. Lautstärkeanpassung
-> alles muss gut zu hören sein, nichts darf zu sehr dominieren. Deshalb arbeite ich immer mit Automation. Bei mir wird jede Spur in Handarbeit voll durchautomatisiert. stellt sich dann heraus, dass Spuren insgesamt noch zu leise oder zu laut sind, regele ich die Gesamtlautstärke über das Gain am EQ. Aber nicht mit Kompressor.​

3. der Rest
-> vom Rest habe ich viel zu wenig Ahnung. Deshalb klingen meine Tracks auch nur in den ersten zwei genannten Punkten gut. Die sind mir aber am wichtigsten.​
​
​
Und damit schöne Weihnachten. ;-)​
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Danke
Reaktionen: RefinedRough und Andaraginga
  • #16
Hmm, ich würde sagen ich versuche einen Misch so hinzubekommen das es den Zuhörer in irgend einer Weise triggert und mitnimmt. Der Mischprozess selber läuft mehr oder weniger auf Autopilot d.h. ich denke gar nicht mehr so viel darüber nach. Es ist mehr so ein "fühlt sich das gut an oder geht da noch mehr, wie ist der Spannungsbogen, etc...?"

In meinen Anfängen war ich oft sehr frustriert. Ich habe meinen Mix z.B. mit einem Refernzmix im Studio verglichen bis ich dachte jetzt ist es gut. Im Auto klang der dann z.B. zu wummerig, auf der Steroanlage zu grell usw. während der Refernzmix überall gut und ausgewogen klang. Das konnte ich nicht verstehen. Heute verstehe ich nicht wie man sowas nicht hören kann. D.h. es gab eine Lernkurve die ich aber gar nicht an irgend etwas festmachen kann.

Frohe Weihnachten!
 
  • Danke
Reaktionen: RefinedRough
  • #17
@RefinedRough
kenne ich - alle phasen die du erwähnt hast.
und die phasen wiederholten sich bei mir abwechselnd immer wieder, bis ich verstanden habe:
egal wie stark du dich verkünstelst in deinem mix - es muss nur brachial laut sein, alles anderes hören die leute nicht mal.
besonders die musiker, die komponieren und glauben etwas von der tontechnik zu verstehen, sind da ganz schlimm.
dat muss gesagt werden! :)

ich habe festgestellt dass die goldene jahren des "kunstmixings" schon lange vorbei sind.
musikalisch mixen ist out, der maximizer und co. sind die panzerbrigaden die den krieg für sich entscheiden.
man muss nur aufpassen um nicht in die falle des matching eqs und resonant supressors zu fallen, wie du und die anderen schon erwähnt haben. matching eq ist schon aus einem einfachen grund käse, weil dein material grundlegend anders klingt als das material aus welchem die kurven generiert sind. und je mehr morphing angewendet wird, desto befremdlich klingen die resultaten.
hab schon alles hinter mir, der scheiss.

so ist meine "philosophie" das pareto prinzip: mit 20% aufwand das maximale erreichen.
mit top down mixing klappt das oft überraschend gut.
 
  • Danke
Reaktionen: Ennui, RefinedRough und MountainKing
  • #18
ich male ein schönes bild. obs ein kantiges, verzerrtes, blitzsauberes, buntes, kühles, freches oder höfliches bild ist, kommt immer drauf an, aber hauptsache, ich mag das bild am schluss.

und mit den jahren bin ich immer weiter weg vom "hauptsache amtlich" und immer weiter hin zu "hauptsache interessant" - was aber auch etwas ist, was man sich irgendwann leisten kann, weil viele der "amtlich"-tugenden (wie etwa aufgeräumter bassbereich oder die fähigkeit, eine vocal gut in den mix zu integrieren) sowieso instinktiv passieren.
 
  • Danke
Reaktionen: DaVogi, diagnostix, asli und 2 andere
  • #19
Kann ich nachvollziehen, hab ja auch ein paar Gerätlis.. und das auch seehr lange so gehandhabt, allerdings irgendwann gemerkt, dass ich das Potential der Teile so überhaupt nicht ausschöpfen kann und mit Plugins am Ende was besseres hab. Seit ich auch bei Hardware wieder *mutig* genug bin, einfach alles zu verdrehen, wird's besser. Es kommt natürlich auch ein bisschen drauf an, was für Geräte.. aber ich wollte mich aus dem freeze-Zustand unbedingt wieder lösen.
Ich verdrehe schon so wie es die Spur benötigt, nur ist das dann der Ausgangspunkt beim nächsten Mix. ;-)

An manchen Kompressoren, insb. one-trick-ponys wie LA2A, verstelle ich tatsächlich in der Regel nichts, einfach weil das nicht nötig ist.
 
  • Danke
Reaktionen: RefinedRough
  • #20
Mit welchem Mindset geht ihr ans Mixing ran?

Um kurz auszuschweifen - im vergangenen Jahr habe ich m.M.n stark nachgelassen beim Mischen von Liedern und auch ein bisschen die Lust verloren dadurch. Oder es ist wohl eher ein Teufelskreis. Ich habe versucht herauszufinden, woran das lag und bin auf mehrere Gründe gekommen.

Zum einen habe ich bei meinen "Brot-Jobs" (Video- und Filmton, viel Dialoge) einen sehr stark automatisierten Workflow, also ich habe Makros, Tastenkommandos und etablierte Effektketten / Presets bis der Arzt kommt um mir möglichst viel Aufwand zu sparen, deadlines einzuhalten und preislich attraktiv zu bleiben. Das hat sich bei Musik auch ein bisschen eingeschlichen, ich behandle alles quasi unter Zeitdruck. Das ist schlecht (für mich).
Ein weiteres Standbein, was stark zugenommen hat, ist Mastering. Da höre ich ganz anders hin als beim Mischen & bin natürlich auch viel kürzer an einem Song beschäftigt. Das spielt ebenfalls mit rein, dass ich beim Mixing weniger befreit vorgehe. Und ich habe auch weniger Mixing-Aufträge als früher.

Wenigstens kann ich froh sein, dass die Ohren verhältnismässig zum Alter nicht zu stark nachgelassen haben, ich kann's also nicht darauf schieben :D

Zur weiteren Reflexion gehört wohl einfach auch der Abschnitt wo man in einer "Mixer-Karriere" gerade steckt. In meiner Beobachtung gibt's da verschiedene Stufen, die ich auch so wieder bei Neulingen in meinem Umfeld bemerke.

Eine leicht zugespitzte Darstellung:

Stufe 1:
Man hat keine Ahnung von der Technik, weiss nicht was ein Kompressor macht, geschweige denn wie man ihn einstellt. Aber die Intuition lässt einem vieles richtig machen. Klar, ist etwas vergangenheits-schöngefärbt, der Grossteil war natürlich Mist :) zu meiner Zeit gabs halt auch noch kein Youtube und co, nur experimentieren hat geholfen.

Stufe 2:
Man versteht jetzt die Technik und was all die lustigen Plugins können und geht dadurch gezwungenermassen auch etwas von der Intuition weg, man mischt sehr sauber und will alle Elemente gleichberechtigen und so gut darstellen wie nur möglich. Die Mixe werden steril, technisch perfekt und langweilig. Man hat bald jedes Plugin, dass es gibt. (Bei mir ist die Stufe schon etwas her, damals waren so lustige *Gratis-Plattformen* noch gang und gäbe, weil auch Waves und co etwa so viel wie ein Haus gekostet haben):sx3:

Stufe 3:
Man erkennt, dass clean nicht die generelle Lösung sein kann versucht jetzt gezielt Ecken & Kanten einzubauen, man merkt, dass die Intuition, mit der man anfänglich ran gegangen ist, abhanden gekommen ist. Die besten Songs haben oft ziemlich komische Mixe, aber sie dienen dem Gefühl. Man ist lost und jeder Mix klingt völlig anders. Man jagt jetzt den Charakter. Das führt dann zu

Stufe 4:
Man entdeckt Sättigung und fängt an, alles mit Charakter voll zu ballern. Man macht ein paar echt nice charakterstarke Mixe. Man sättigt noch mehr. Und noch mehr. Bis alles wieder eine flache Pfütze ist :)

Stufe 5:
Nach all den Jahren sollte man im Kopf jetzt ungefähr so weit sein, dass man diese Auswüchse abhaken kann. Man nutzt nur noch wenige Plugins (oder Hardware) weil man weiss, dass irgendwie eh alles das gleiche ist. Hat man 1 EQ, hat man alle EQ's. Man wird puristischer und kann andere, schlechte Mixe sofort verurteilen. Es hat sich aber auch etwas totgelaufen und der Spieltrieb neues zu entdecken ist ziemlich gering geworden. (Was ultimativ schlecht ist) Eine gesunde Balance muss her.

----

Ich habe den Mischer Serban Ghenea für mich entdeckt (für euch bestimmt ein alter Hut, ich habe mich irgendwie nie wirklich mit den Grössen beschäftigt, bzw schon lange nicht mehr) und viele seiner Mixe analysiert. Das hat in mir einerseits ausgelöst, dass ich meine eigenen Mixe daneben mies empfinde, ABER es hat mir auch einen riesigen Motivations-Boost gegeben und in den letzten Tagen geholfen, mich wieder neu zu erfinden, wieder mit einem frischen Ansatz zu starten und nach grob geschätzt 15 Jahren ernsthaft Mischen mal endlich REVERBS VERSTEHEN LERNEN (mein Kryptonit). Was räumlichkeit angeht, ist der Typ einfach crazy.

Es hängt echt alles von der richtigen Motivation und INSPIRATION ab. Ich verstehe auch Leute wie der Rick Rubin immer mehr und mein Zielt ist es auch, ein Song erst mal auf Gefühlsebene zu verstehen bevor man überhaupt eine Spur anfasst. Es schliesst sich quasi der Kreis im besten Fall und man schafft es, wieder intuitiv das richtige zu machen statt sich in tausenden Tools zu verlieren.

Jetzt nach der ganzen Text-Wall weiss ich eigentlich gar nicht mehr, was ich sagen wollte. Wahrscheinlich einfach nur ein bisschen Therapiekreis, weil's alleine langweiliger ist. :bhug:


Und wie krumm verläuft bei euch so das Mischer-Leben..?

Hi,

ein interessantes Thema.

Wobei ich ja dachte, dass hier dann irgendwelche Misch-Methoden wie Bottom-Up oder Top-Down oder wie das heißt, auftauchen. Aber das war wohl gar nicht gemeint, oder?

Die Stufen kann ich jedenfalls gut nachvollziehen. Auch wenn ich jetzt nicht 100%-ig sicher bin, dass die Stufenfolge so als allgemein betrachtet werden kann aber es ist auf jeden Fall schon mal gut, dass Du erkannt hast, dass Mischen wie jede andere Tätigkeit auch einen Lernmodus beinhaltet der durch Stufen gekennzeichnet ist, die aufeinander aufbauen.
Kann das ein- oder andere auch bei mir erkennen.

Was mir allerdings Kopfzerbrechen bereitet ist, wenn Du schon in Stufe 2 schreibst, dass Deine Mixe technisch perfekt sind. Da denke ich, whaaat? Wie macht der das? Bist Du ein Genie??? Ich meine, ich verstehe unter technisch perfekt, dass die Mixe so klingen wie die amtlichen aus dem Radio! Das ist ja grad das, was man als Amateur meist nie erreicht.
Insofern und Du hast ja auch schon geschrieben, dass Du damit Geld verdienst, müsstest Du doch eigentlich sehr glücklich sein.
Meine Vermutung ist, dass Du nicht dasselbe mit "technisch perfekt" meinst wie ich denke, sondern, vielleicht eher etwas sagen wolltest wie "technisch solide" oder so. Also eine gute Ausgangsbasis auf der man dann aufbauen kann.

Dann beschreibst Du ja auch genau denn folgerichtigen Schritt: Orientierung an den Großen, in dem Fall Serban Ghenea um Deine eigene Entwicklung voran zu treiben. Den Namen hatte ich zwar ehrlich gesagt auch noch nicht bewußt gehört, deshalb auch Danke, dass Du das mal erwähnst aber auch ich möchte gern von den Großen lernen, wie die das machen.

Ich würde meine Mixe erst dann als wirklich gelungen betrachten wenn man irgendwann sagt, dass ist der typische Signature-Sound von "sir_google". - Davon bin ich noch weit entfernt und ich denke mittlerweile, allein werde ich das auch nicht hinbekommen, da müssen am Ende die letzten 5% doch von einem richtigen Profi hinzukommen, der das ganze veredelt.

Eine Verständnisfrage noch an Dich, weil das nicht so deutlich rüber kam: Du mischst allgemein Songs von anderen Leuten? Oder machst Du auch eigene Songs?
 
×
Dir gefällt Recording.de? ❤️ Lasse dir unsere neuesten Inhalte in der Google-Suche ganz oben anzeigen!

Oft gelesene Themen

Zurück
Oben