Ich verstehe die Idee dahinter: Ich habe doch mal ein (oder mehrere) Instrument(e) gelernt, ich habe gelernt, Melodien zu komponieren, Texte zu schreiben, aufwändige Aufnahmeverfahren, Mixing,... Und jetzt kommt so ein Computerprogramm daher und kann das alles genau so gut oder sogar besser.
Das kann natürlich frustrierend sein. Ich finde aber nur dann, wenn man das ganze als Wettbewerb oder Geschäft versteht. Wenn ich mit Musik Geld verdienen will/muss, besser sein will/muss als jemand anders, mehr verkaufen, mehr Emotionen erzeugen,...
Das alles ist für mich glücklicherweise nicht (allzu sehr) relevant. Ich mache Musik, weil es mir Spaß macht. Weil ich mich gerne kreativ ausdrücke. Weil ich gerne mit meinen Freunden im versifften Proberaum abhänge, Gitarrensaiten zerreiße, mir nen Gehörschaden hole. Weil ich zuhause auf meinem Keyboard rumklimpere, das Mikrofon für die Gitarrenabnahme positioniere, singe,...
Man hätte an jedem Punkt sagen können: "Das ist doch keine Musik mehr." Zum Beispiel, als wir anfingen, von Tapes auf DAWs umzusteigen. Als wir plötzlich zu Clicks spielten. Oder als die Amps von Röhre zu digital getauscht wurden. Oder als die ersten Musiker Synthesizer, Sampler, E-Drums einsetzten. Als Autotune Einzug hielt. Als die ersten automatisierten Mixing- und Mastering-Tools kamen.
KI ist ein Tool wie jedes andere auch. Klar, man kann jetzt sagen: "Man braucht aber dadurch überhaupt keine musikalische Bildung mehr, um ein Stück Musik zu produzieren." Und das stimmt. Aber man brauchte auch keine Ahnung mehr von der Versorgung von Pferden, als das Auto erfunden wurde. Und man brauchte auch keine Ahnung mehr vom Weben als der Webstuhl erfunden wurde. That's life.
Und man kann argumentieren, KI-Unternehmen verstoßen gegen Urheberrechte, weil die KI von handgemachter Musik trainiert wird. Aber könnte man nicht auch argumentieren, dass Drum-Sampler gegen die Urheberrechte von Schlagzeugbauern verstoßen, alle VSTi-Hersteller gegen die Urheberrechte der ursprünglichen Instrumentehersteller verstoßen, nahezu alle HipHop-Producer gegen die Urheberrechte der von ihnen gesampleten Songs verstoßen? War das jemals relevant? Warum sollte es jetzt relevant sein? Technologie war schon immer schneller als die Judikative. Klar ist das problematisch, aber ändern können wir es eh nicht.
Trotz allem gibt es heute noch Leute, die von Hand weben, filzen, nähen oder mit Pferdekutschen fahren. Ich war letzte Woche auf der KLP im Wendland. Da standen mehrere selbstgebaute Beatmaschinen rum, wo die Kids wild dran rumgedrückt haben und den Spaß ihres Lebens hatten. Und ich habe den Tag davor mit Freunden rumgehangen und ein bisschen Gitarre gespielt. Das fanden alle total toll und alle hatten Spaß.
Ich habe nen Kumpel in meinem Alter (Mitte 40), der fährt fast jedes Wochenende stundenlang Fahrrad, kauft sich einmal im Jahr ein Rad für mehrere Tausend Euro, hat nen Verein gegründet und freut sich darüber, wenn er bei Amateurrennen einen Treppchenplatz ergattert. Glaubt ihr, der will damit Geld verdienen? Oder die Tour de France gewinnen? Nein, der macht das, weil es ihm Spaß macht. Und glaubt ihr, es würde ihn interessieren, wenn plötzlich irgendeiner mit nem E-Bike ihn überholt?
Ich verstehe, dass professionelle Musiker, die ihren Lebensunterhalt mit Musik verdienen, Angst bekommen. Aber es wird noch einen Markt für handgemachte Musik geben. Die müssen jetzt kreativer werden. Live-Konzerte, Parties, nischige Kunden, Nostalgiker. Auch Techno-DJs treten live auf, obwohl sie das theoretisch alles vom MP3-Player abspielen könnten. Der Markt wird anders, herausfordernder, kleiner. Aber was sollte das mich als Hobby-Musiker betreffen?