[ EDIT: sorry, ist was lang geworden, das war heute morgen meine persönliche Abrechnung mit IT in diesem Kontext. ]
Ich habe mir Artcraft gestern kurz angeschaut, dann aber wieder heruntergeschmissen.
Als ich ein Bild generieren wollte, wurden mir als Erstes Aboangebote für generative KI präsentiert. Das hat mich überrascht, denn der Artikel
(*), den ich gelesen hatte, vermittelte den Eindruck, dass der Autor von Abo-Software so frustriert war, dass er entsprechende Programme mithilfe von KI neu entwickelt hat. Da hätte ich erwartet, zunächst die Funktionen ausprobieren zu können, statt gleich wieder mit Aboangeboten konfrontiert zu werden. Klar, dass KI-Rechenleistung aus Rechenzentren Geld kostet, aber trotzdem, es gäbe ja auch noch lokal laufende Modelle.
(*) Zitat: „Bemerkenswert ist aber noch etwas anderes: Die Programme können kostenlos genutzt werden. Damit entstehen frei verfügbare Alternativen zu Anwendungen, für die Nutzer bislang oft hohe Abo-Gebühren zahlen müssen.“
Quelle:
https://www.swr.de/kultur/gesellschaft/ki-revolution-artcraft-fordert-softwarebranche-mit-kostenlosen-programmen-heraus-100.html
Anschließend wollte ich ein vorhandenes Bild bearbeiten. Dafür wurde mir eine Upload-Funktion angezeigt. Nach dem Upload sah ich links lediglich ein paar kleine Bedienelemente, die mich so gar nicht an die Photoshop-Demo von Adobe erinnerten. Auch das riesige Einstiegsfenster mit seinen zahlreichen Applikationen fand ich wenig ansprechend. Vielleicht lassen sich die Programme auch ohne so eine blöde Oberfläche starten, aber das habe ich nicht weiter untersucht.
Offen geblieben sind für mich auch Fragen zum Datenschutz: Muss die Bildbearbeitung grundsätzlich über die Cloud laufen, und was passiert dabei mit meinen Bildern? Das kann ich nach meinem kurzen Test nicht beurteilen.
Mein erster Eindruck war jedenfalls nicht überzeugend. Es war eine spontane „Hop-or-Top“-Entscheidung, und Artcraft hat mich nicht ausreichend angesprochen, um mich weiter damit zu beschäftigen. Die Originalprogramme, die mich interessieren (ausdrücklich keine von Adobe oder sonstige Abo-Software), habe ich bereits. Insofern war der Leidensdruck nicht groß genug.
Weil jemand Lightroom erwähnte: Das war das einzige Abo-Programm, das ich einmal drei Monate lang evaluiert habe. Ich wurde damit aber nicht richtig warm. Für die Bildbearbeitung nutze ich inzwischen lieber Capture One. Dafür gibt es nach wie vor eine Kaufversion. Gerade beim Tethering ist die Software leistungsfähig und sehr stabil. Zudem ist Capture One kein solcher Ressourcenfresser wie Lightroom, auch wenn gewisse KI-Funktionen in Lightroom leistungsfähiger sind.
Windows und Office: möglichst unabhängig von Abos und sonstigen Zwängen
Ich bin froh, Windows 10 IoT Enterprise 2021 LTSC am Start zu haben. Damit habe ich vom Windows-11-Rummel erst einmal bis Januar 2032 meine Ruhe. Es ist zwar eine 21H2, die manche Softwareanbieter nicht mehr unterstützen, obwohl die Software nachweislich darauf läuft. Auch das lässt sich mit einem Tool von GitHub lösen: auf 22H2 cross-graden, die Software dort installieren oder aktualisieren und anschließend ohne Verlust von Programmen und Daten zurückwechseln.
Da dieses Spielchen rund 5,5 Stunden dauert, mache ich das vielleicht ein- bis zweimal im Jahr, wenn überhaupt. Ich habe mich deshalb auch damit abgefunden: Es muss nicht immer von allem das Neueste sein. Es sind auch nur wenige Produkte, die ich auch eher seltener nutze: DxO PhotoLab, Presonus/Fender DAW.
Ich möchte weiterhin auf Abo-Software verzichten und um Windows 11 einen weiten Bogen machen. Mich stören Microsofts Bevormundung und bestimmte Sicherheitsrisiken. KI halte ich durchaus für nützlich, möchte aber keine immer weitergehende Integration von KI-Diensten und autonomen Agenten in mein Betriebssystem. Fehlentscheidungen solcher Agenten können erhebliche Folgen haben.
Auch Microsoft Recall, das Bildschirmaktivitäten per Screenshot festhält und durchsuchbar macht, ist für mich eine digitale Abhörwanze, die ich nicht auf meinem System haben möchte. Die Funktion soll zwar standardmäßig deaktiviert sein, aber Telemetrie schaltet sich nach Updates auch immer wieder wie von Zauberhand ein.
Windows 11 kann ich nicht einmal parallel installieren, um es in Ruhe zu testen. Microsoft hat den Legacy-Boot-Modus gestrichen. EFI kann ich aus bestimmten Gründen nicht aktivieren, und die BIOS-Implementierung meines Mainboards ist dafür zu rudimentär. Bei einer Umstellung hätte ich keine zuverlässige Kontrolle mehr darüber, von welcher Festplatte ich booten möchte. Das passt nicht in mein Konzept, wie ich verschiedene OS parallel halten bzw. starten möchte.
Konsequenterweise habe ich auch Office 2024 LTSC gekauft, um weiterhin Outlook Classic nutzen zu können. Gegenüber der neuen Version hat das für mich zwei entscheidende Vorteile:
- Autorisierungen von Mailprovidern, beispielsweise für POP3-Konten, laufen nicht über die Microsoft-Cloud.
- Andere Programme können Bilder direkt als E-Mail-Anhänge an Outlook übergeben. Genau diese Funktion benötige ich für ein nützliches Fototool, das ich hoffentlich bald veröffentlichen kann.
Software-Schwemme
Ich stehe der KI-Software-Schwemme skeptisch gegenüber, weil nicht nur der Programmieraufwand entfällt. Auch Ideen für eine bestimmte GUI und Nutzerführung, deren Entwicklung neben der eigentlichen Programmierung enorm viel Zeit kosten kann, lassen sich plötzlich in null Komma nichts übernehmen (gefühlt: „klauen“).
Das betrifft vor allem Firmen, die davon leben, aber auch mich als Hobbyentwickler.
Erst letzte Woche hat jemand ein Tool von mir quasi kopiert, nur in eine andere Form gebracht (webbasiert). Er gab mir zwar Credits für die Idee, behauptete aber gleichzeitig, einige Funktionen hätten ihm in meiner Software gefehlt, was überhaupt nicht stimmt. Das ist schon echt kackdreist: die Idee klonen und dann auch noch behaupten, der Originalsoftware würde etwas fehlen, was überhaupt nicht stimmt. Sogar nach mehrfacher Aufforderung hat er das nicht korrigiert. Glücklicherweise wurde dann das Posting von der Moderation entfernt.
Mir ist klar, dass Open-Source-Software im Rahmen der Lizenz weitergegeben werden kann. Aber bitte mit entsprechendem Augenmaß (einem gewissen moralischen Kompass), sich nicht damit zu brüsten und die Originalsoftware gleichermaßen zu verunglimpfen.
Eine Firma kann vielleicht mit etwas Glück Patente anmelden. Als privater Entwickler hat man dagegen vermutlich kaum eine Chance, seine Ideen wenigstens ein Stück weit zu schützen.
Früher war das weniger problematisch, weil die Entwicklung enorm viel Zeit kostete und man das entsprechende Können mitbringen musste. Dadurch waren Nachahmer eher darauf angewiesen, den ursprünglichen Autor anzusprechen – auch wenn dessen Software Open Source war. Solche Fälle gab es deshalb seltener.
Mit KI als Helferlein werden sie sich häufen. Auch mir wird ganz anders, wenn ich sehe, welche Auswirkungen das auf Berufe in Kreativbereichen wie Musik, Werbung, Fotografie, Film, etc. hat und weiter haben wird. Ich hoffe nur, dass diese Angebote, soweit möglich, von Käufern nicht angenommen werden, sofern man sich das aussuchen kann, vielleicht im Bereich KI‑generierter Musik, die für mich persönlich überhaupt keinen Wert hat.
Die Folge: Wenn Firmen beschließen, immer stärker auf KI zu setzen, wird es weniger Stellen geben. Schlimmer noch: Die entsprechenden Skills könnten ganz verschwinden, und wir werden irgendwann bestenfalls zu „KI‑Orchestriern“ degradiert.
Fazit
IT hat noch nie so wenig Spaß gemacht. Als Eigentümer und Betreiber eines Systems wird man immer mehr bevormundet, und den letzten Rest geben einem die teils um das Dreifache gestiegenen Hardwarepreise.
Dass inzwischen sogar ältere Technologie aufgrund künstlicher Verknappung teuer verkauft wird, ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt: viel Geld für abgestandene Klamotten. Und auch das alles durch KI ausgelöst.
Dann wieder schlechte Nachrichten vom wohlhabendsten Mann der Welt: die angestrebte Fusion von Tesla und SpaceX und anschließend natürlich der Bau von Robotern und KI für die Rüstung. Demnächst also neben Drohnen auch noch Androiden auf den Schlachtfeldern? Na prima. Da denke ich an den Film
„Terminator“. Düstere Aussichten.