..meine Stratartige mit Humbucker am Steg ist eine Ende 80‘er Synthesizer-Gitarre von Casio, eine PG-380..
..ein paar Details zu den Modifikationen..
- die Poti-Knöpfe waren beim stegnahen Anschlagen mitunter im Wege. Deshalb wurden die Potiachsen radikal gekürzt
- gekürzt wurde auch der Vibratohebel und zwar auf eine Länge, die es ermöglicht, den Knauf beim Spielen in der Hand verschwinden zu lassen
- die unteren beiden Pickups sind von Jackson. J-100 in der Mittelposition, J-50N in der Steg-Position..den J-50B hab ich mir auch gebraucht gekauft, die offener klingende Neck-Variante hat mir aber besser gefallen
- im Body gibt es reichlich Leerraum, in dem die Synthsizer-Elektronik untergebracht war. Das hat schon beim rein akustischen Spiel zu seltsamen Resonanzen und an den Abdeckungen hier und zu Schnarren geführt. Sie waren aber auch im elektronischen Signal wahrzunehmen. Daher sind hier und da (Pickguardöffnung für MIDI Pickup-Öffnung; Fach für Synthesizer -Control-Einheit; unter den Fine-Tunern; an der Kopfplatte; an vorhandenen Deckeln selbst) zusätzliche Abdeckungen bzw. Schwingungsdämpfer angebracht worden
..bitte bedenkt, dass dieses Exemplar einer Gitarre neben ihrer Funktionalität auch und sogar hauptsächlich, als
Kunstwerk zu verstehen ist..keine der Änderungen beschränkt sich auf den reinen Nutzen, sondern erweitert diesen um eine Art der Auseinandersetzung mit dem Original im Raume der Trivial-Welt und dem Zustand der selben..
Einzelheiten:
- in der rechten oberen Bildhälfte sind die gekürzten Potiachsen zu sehen..sie wurden mit Bananensteckerbuchsenmarkierungsringen verziert und gerade das ehemalige nun nutzlos gewordene Synthsizer-Volumenpoti drängt sich durch die helle, in diesem Kontext fast grelle Farbwahl in den Vordergrund..die Kritik an der Exhibitionismus-Neigung der wenig beitragenden Nutznießer ist offensichtlich
- darunter im horizontal gesehenen mittleren Bereich der Abbildung ist der Vibratohebel zu sehen, der Knauf an seiner Spitze ist aus poliertem Messing gefertigt..die Feststellschraube ist gelockert, so dass er bei der Performance hin und her schlackert..wen erinnerte das nicht an dem Strandläufer am FKK-Strand, der den Mann mit seinem primären Geschlechtsmerkmal in seiner ganzen Sensibilität aber auch in seiner Lebenslust künstlerisch visualisiert?
- über und unter der Vibrato-Einheit sind neue Abdeckungen und Dämpfer zu sehen..hier wird auf natürliche Materialien gesetzt..Eisstäbe aus Buchenholz und Kork im Pinwand-Style..farblich wird ein flacher Übergang vom hellen Buchenholz über Messing-Knauf zu Kork zu schwarz erreicht..
- rechts unten, die Abdeckung der ehemalige Synthesizer-Controll-Einheit wirkt wie ein Grabstein..hier hat also ein real schwingendes Instrument das Digitale besiegt und damit in seine Schranken verwiesen
- offensichtlich ist die auf der rückckwärtigen Seite des Objekts, die mit blauem Abdeckband verschlossene Resonanz-Öffnung oben rechts..ein darunter diagonal angebrachter Streifen löst die Steifheit der reinen Funktionalität auf und lässt das Objekt regelrecht spielerisch erscheinen
- das blaue Abdeckband unten links des Typenschildes ist deutlich funktional begründet, da es die Eigenresonanz der entsprechenden metallenen Abdeckung mildert..
- links im unteren Bereich ist die Öffnung für die Synthesizer Mini-Schalter mit einem Stück Tesafilm abgedeckt..was zunächst den Blick auf den Innenraum ermöglichte, setzt sich nun Stück für Stück mit Staub zu..damit ist das Objekt nicht allein Snapshot einer Aussage, sondern darüber hinaus ein sich selbst transformierendes, also lebendiges Kunstwerk
..im Bereich des Output-Panels, was sicherlich kaum zufällig auf das Album „Back and Blue“ der Musikkapelle „The Rolling Stones“ (Daddy, you’re a fool to cry) anspielt, verdeckt das bekannte Abdeckband jegliche nicht mehr benötigte Funktionalität, verschont jedoch bewusst deren Beschriftung..ihre Worte werden zur reinen Worthülse..damit schreien sie die künstlerische Antriebsfeder (Leo) Fenders, nämlich „
form follows function“ unüberhörbar ins Universum und bleibt damit selbst Kunst
PS: ich denk, es wird deutlich, dass es hier nicht nur um ein einzelnes Kunstwerk geht, sondern dass das Objekt selbst hier zum Museum wird, dass viele Kunstwerke zu einer, auch funktional nutzbaren Einheit zusammenfasst. Die Lesart Museum im Museum wird zudem durch die Präsentation „auf Korkboden vor Drum-Clinic Wimpel“ bekräftigt..
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EDIT:
..irgendwie ist mir in der Beschreibung die eigentlich ganz schöne Casio-Kopfplatte durchgerutscht..also..
- zwischen Klemmsattel und Saitenniederhalter nimmt ein Dämpfer die Kork-Thematik noch einmal auf und markiert seinen höchsten Punkt, ohne selbst Höhepunkt zu sein