Time aligning in klassischer Orchesteraufnahme

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Max85

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Liebe Recording.de Gemeinde,

ich bin Anfänger im Recording, aber habe nun mittlerweile schon mich an einigen Chor- und Orchesteraufnahmen gewagt. Im Moment versuche ich mich, ein wenig in die scheinbar nicht unumstrittene Frage des Time-Alignments einzuarbeiten. Richard King schlägt diese in seinem Buch ""Recording Orchestra and Other Classical Music Ensembles" zumindest für ein hinten platzieres Chor-Spotmikrofon vor.

Nun habe ich versucht, das umzusetzen und hierfür anliegende Skizze erstellt. Leider haben wir wohl vergessen, die Höhe der Mikrofone einzutragen, so dass die Skizze wahrscheinlich unbrauchbar ist? Das Hauptmikrofon (AB mit Mirkofonabstand von etwa 60 cm) war jedenfalls etwas höher als das Chor-Stereo-Setup (ORTF). Die Solomikros waren etwas auf Brusthöhe und das Cellospotmikrofon war auf der Höhe des f-Lochs.

Ich hab versucht, die Chormikros um 16,18 ms zu verzögern. Es wurde ein wenig klarer, aber ehrlicherweise hat mir das unverzögerte Signal besser gefallen (manche Chordefizite wurde dadurch ein wenig kaschiert.

Große Probleme hatte ich auch mehr mit dem linken Solomikrofon. Hier trat anliegender Effekt auf (Ist das der gefürchtete Kammfiltereffekt? Ich bin wirklich Novize, und hab ihn glaub ich noch nie in der Realität erlebt, deswegen danke für jeden Hinweis). Mithilfe eines Phasendetekors (von den LSP Plugins) konnte ich diesen größtenteils beheben (allerdings genügte hier eine Verzögerung von 12 Samples und nicht wie der Abstand des linken Chormikros vermuten ließe 5,445 ms???). Das Muten des Chormikros führte zusätzlich zu einer weiteren guten Verbesserung.

Ich hab nun auch versucht, das Chorstereo-Setup mit dem Phasendetektor anzugleichen. Allerdings konnte dieser da keinen sicheren Wert liefern. Die Ausgabe sprang random zwischen verschiedensten Zahlen hin und her. Auch ein AutoAlign Plugin habe ich versucht (von Nugen Audio). Aber auch hier erschienen mir die Werte eher zufällig, manchmal empfand ich den Klang als Verbesserung, manchmal aber auch gar nicht.

Im Moment ist mein Weg so, dass ich eine Phasenangleichung nur bei Problemen durchführe (also nur an der genannten Stelle), sonst aber unterlasse. Mir scheint, dass das ORTF Chorsignal einfach so komplex ist, dass Phasenprobleme dadurch übertüncht werden und ein klares Alignment unmöglich ist (vlt. wäre für die Chorstütze auch ein AB Setup daher besser gewesen? Oder wirklich nur ein Mono Spot für die einzelnen Stimmen?).

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich würde mich einfach als Anfänger freuen, wenn ihr ein wenig Euren Workflow beschreiben könntet? Macht ihr auch Skizzen von den Mikrofonpositionene? Oder löst ihr es mit einem Clap o.ä.? Oder wie steht ihr allgemein zur Frage von Angleichung der Mikrofone in der klassischen Musik? Und falls jemand auch dazu was sagen kann, ist ORTF gut als Chorstütze?

Für jede Anregung bin ich dankbar, denn die nächste Choraufnahme wird sicher bald wieder kommen :-)

LG Max
 

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Zwei Dinge aus meiner Erfahrungswelt: Ich mach kein Time-Allignement von Stützen. Hat bei mir klanglich nie einen Vorteil gebracht. Wenn man Dinge stützen will sollen sie ja präsenter werden, und durch das Verzögern werden sie WENIGER präsent, und das fand ich nie wünschenswert.

ORTF und ähnliche Stereoverfahren haben sich bei mir auch nur für das EINE Hauptmikrofon bewährt. Beim Stützen mag man möglichst viel Direkt-Signal, und da hab ich auch beim Chor lieber viel nähere Mikros, zB. eines pro ca 5-6 Sänger oder zumindest eines pro Stimmgruppe.
 
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Reaktionen: KiloOhm und tim_heinrich
Liebe Recording.de Gemeinde,

ich bin Anfänger im Recording, aber habe nun mittlerweile schon mich an einigen Chor- und Orchesteraufnahmen gewagt.
Herzlich Willkommen. Auch nach vielen Jahren in diesem Feld, finde ich das Thema immer noch maximal spannend :-)
Im Moment versuche ich mich, ein wenig in die scheinbar nicht unumstrittene Frage des Time-Alignments einzuarbeiten. Richard King schlägt diese in seinem Buch ""Recording Orchestra and Other Classical Music Ensembles" zumindest für ein hinten platzieres Chor-Spotmikrofon vor.
Das wird aus meiner Sicht nicht mehr mehr so hart diskutiert wie früher, weil es oft auch keine klare Antwort gibt. Meine persölnliche Erfahrung ist, dass hier die Erklärung des Haas Effekts (eigentlich falsch genutzt) relevant ist. Dieser beschreibt eigentlich, dass unser Ohr / Gehirn aus der ersten eintreffenden Wellenfront Raum und Richtung bezieht. Aus meiner Erfahrung ist es so, dass ohne Time Alignment oftmals der Spot "unrichtig" (in Breite und Tiefe) sitzt und sich wie ein Fremdkörper anfühlt, eben weil das Signal zu früh kommt und über die verschiedene Stereofonie sich auch nicht sauber einfügt. Auf der anderen Seite braucht man dafür eine ganze Ecke weniger Pegel um die gewünschte Präsenz des Spots einzufügen, im Vergleich zur laufzeitkorrigierten Version. Ich probiere es meistens aus ob eben mit etwas mehr Pegel und Timealignemnt oder vice versa. Bei der traditionellen Aufstellung von Chören (hinter dem Orchester) gerade in großen Kirchen / Kathedralen habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass ich meistens die leicht timealignete Version besser finde.
Nun habe ich versucht, das umzusetzen und hierfür anliegende Skizze erstellt. Leider haben wir wohl vergessen, die Höhe der Mikrofone einzutragen, so dass die Skizze wahrscheinlich unbrauchbar ist? Das Hauptmikrofon (AB mit Mirkofonabstand von etwa 60 cm) war jedenfalls etwas höher als das Chor-Stereo-Setup (ORTF).
Unbrauchbar nicht, aber wenn Du genau zeitkorrigierend willst musst Du schon den lieben Pythagoras / etwas Trigonometrie bemühen :-) Du wirst aber sehen, dass ein Fehler in der Höhe (sagen wir mal von 50 cm) relativ geringe Auswirkungen hat.(bei Deinen 4,9 m Unterschied zwischen Deinen beiden Mics macht ein Schätzfehler von 50 cm in der Höhe einen Unterschied von 0,7 ms)
Die Solomikros waren etwas auf Brusthöhe und das Cellospotmikrofon war auf der Höhe des f-Lochs.
Das ist oftmals problematischer, wegen Kammfiltereffekten aus der Reflexion des Bodens.
Ich hab versucht, die Chormikros um 16,18 ms zu verzögern. Es wurde ein wenig klarer, aber ehrlicherweise hat mir das unverzögerte Signal besser gefallen (manche Chordefizite wurde dadurch ein wenig kaschiert.
Wie oben geschireben: Probieren. Wichtiger ist aus meiner Sicht die Mikrofonierung des Chors. Ich probiere immer wieder mal einen Mikrofonvorhang (Decca Äquivalent für gerade Aufstellungen...meistbenutzte von mir), aber auch ORTF. XY und MS habe ich nach einigen Tests verworfen, das sie für die Breite des Klangkörpers ungeeignet sind. Ich fahre momentan sehr gerne mit 3 oder 4 Schoeps MK 22 in ziemlicher Höhe. Ich versuche eine halbwegs vernünftige Trennung zum Orchester damit zu erzielen. Das geht unter reinen Aufnahmebedingung natürlich viel einfacher durch Verwendung von Absorber und Reflektoren. So wie ich Deine Situation verstehe, wirst Du sicher Probleme mit den Bläsern im Chormikro haben...
Große Probleme hatte ich auch mehr mit dem linken Solomikrofon. Hier trat anliegender Effekt auf (Ist das der gefürchtete Kammfiltereffekt? Ich bin wirklich Novize, und hab ihn glaub ich noch nie in der Realität erlebt, deswegen danke für jeden Hinweis). Mithilfe eines Phasendetekors (von den LSP Plugins) konnte ich diesen größtenteils beheben (allerdings genügte hier eine Verzögerung von 12 Samples und nicht wie der Abstand des linken Chormikros vermuten ließe 5,445 ms???). Das Muten des Chormikros führte zusätzlich zu einer weiteren guten Verbesserung.
Auch hier: probieren geht über studieren. Aber in der Regel nutze ich selten Timealignment für Solisten. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass man wenn möglich Stereostützen verwendet.(ich nehmet gerne xy aus Schoeps MK41 Hypernieren) Das mischt sich deutlich einfacher... Kammfilter passiert übrigens sehr gerne. Mal versuchen mit einem Teppich zu arbeiten. Unser Forumskollege @Rajmund hat einen tollen Kammfilterrechner auf seinen Seiten (https://www.stefan-kiessling.com/?Thema=combfilter). Da sieht und hört man sehr gut was passiert.
Ich hab nun auch versucht, das Chorstereo-Setup mit dem Phasendetektor anzugleichen. Allerdings konnte dieser da keinen sicheren Wert liefern. Die Ausgabe sprang random zwischen verschiedensten Zahlen hin und her. Auch ein AutoAlign Plugin habe ich versucht (von Nugen Audio). Aber auch hier erschienen mir die Werte eher zufällig, manchmal empfand ich den Klang als Verbesserung, manchmal aber auch gar nicht.
Lassen... funktioniert nicht wirklich....
Im Moment ist mein Weg so, dass ich eine Phasenangleichung nur bei Problemen durchführe (also nur an der genannten Stelle), sonst aber unterlasse. Mir scheint, dass das ORTF Chorsignal einfach so komplex ist, dass Phasenprobleme dadurch übertüncht werden und ein klares Alignment unmöglich ist (vlt. wäre für die Chorstütze auch ein AB Setup daher besser gewesen? Oder wirklich nur ein Mono Spot für die einzelnen Stimmen?).
Beim Monospot musst du halt aufpassen, dass Du nicht einzelne Stimmen betonst. Deshalb Mikrofonvorhan mit entsprechender Entfernung. AB kann man auch probieren... Ich bin aber bei kleineren Sachen meist besser mit ORTF gefahren und bei größeren eben mit dem Mikrofonvorhang.
Langer Rede, kurzer Sinn: Ich würde mich einfach als Anfänger freuen, wenn ihr ein wenig Euren Workflow beschreiben könntet? Macht ihr auch Skizzen von den Mikrofonpositionene? Oder löst ihr es mit einem Clap o.ä.? Oder wie steht ihr allgemein zur Frage von Angleichung der Mikrofone in der klassischen Musik? Und falls jemand auch dazu was sagen kann, ist ORTF gut als Chorstütze?
siehe oben... viel probieren. Am besten Raum, Orchester, Chor, Werk und Dirigent kennen :)
Für jede Anregung bin ich dankbar, denn die nächste Choraufnahme wird sicher bald wieder kommen :-)

LG Max
Vielleicht war das ja schon mal eine kleine Hilfe :)
Liebe Grüsse, Marcus
 
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Ich habe mal etwas damit experimentiert. Versuche nicht exakt zu alignen, das Stützsignal darf ruhig später sein.
 
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Ich habe mal etwas damit experimentiert. Versuche nicht exakt zu alignen, das Stützsignal darf ruhig später sein.
Das Problem ist, dass das Stützsignal ja nicht zu spät sonder zu früh ist. Aber auch hier schlief ich mich Dir an… einfach probieren.
 
Deswegen Stützsignal(e) gegenüber dem Hauptmikrofon verzögern.
 
Irgendwie ist @Max85 als Threadstarter ziieemlich zurückhaltend …
 
Schon Demming sagte "Theorie ohne Praxis ist wertlos aber Praxis ohne Theorie ist gefährlich" :)
Ich schäme mich nicht, mich auch mal theoretisch mit den Dingen beschäftigt zu haben. Ich bin der Meinung für mich absolut relevante Schlüsse ziehen zu können.
@ranzman: Ich entnehme Deinen Worten ein gewisses Belächeln. Dann lass uns doch über die Praxis sprechen: Wieviel professionelle Orchesterproduktionen hast Du denn schon gemacht?
 
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