Klavier-Arrangement: "King Richard" (aus LIONHEART, J. Goldsmith)

Skylon

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Hallo zusammen,

Jerry Goldsmith war eigentlich nicht unbedingt dafür bekannt, seine Scores im Sinne der Leitmotiv-Technik zu komponieren. Für das Mittelalter-Adventure „Lionheart“ von 1987 machte er allerdings eine Ausnahme und lieferte ein symphonisches, wagnerianisches Feuerwerk ab, das vor farbenfrohen Motiven und Themen nur so strotzt.

Aus diesem Score stammt auch eines meiner absoluten Lieblingsstücke; nicht nur im Genre Filmmusik, sondern generell: der Cue „King Richard“, der zum Abschluss des Films über den End Credits läuft. Das Grundmotiv – Quint aufwärts, gr. Sekund abwärts – durchzieht den gesamten Score und bildet auch die Keimzelle für dieses Stück. Faszinierend finde ich die melodische Prägnanz, da das 16-taktige Hauptthema hier insgesamt dreimal wiederholt wird und durch mehrere geschickt platzierte Modulationen (Bb => Ab => Eb => D => Eb) trotzdem interessant und frisch gehalten wird ohne viel dekoratives Beiwerk.

Da ich nirgendwo eine Klavierfassung gefunden habe, musste ich selbst ran.


View: https://youtu.be/gbWy7ZWxoqE?si=LV67WmtJcZieKF4q

Wie den meisten auffallen dürfte spiele ich als kurze Intro die ebenfalls von Goldsmith komponierte Universal-Studios-Fanfare... sowohl Tonart (Es-Dur) als auch musikalischer Gestus (Quarten und Quinten als die zentralen Intervalle) haben einfach gut gepasst... einen inhaltlichen Bezug gibt es natürlich nicht.

Viel Spaß! :)

Dustin
 
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Vielen Dank. Klasse Arbeit. Eines der vielen tollen Werke vom Großmeister Goldsmith.

In einem Punkt stimme ich dir aber nicht zu: Leitmotiv-Technik hat Goldsmith schon häufig verwendet. Vielleicht nicht so oft wie Williams, aber dennoch einige Male.

Ein Punkt, dem ich definitiv zustimme: "trotzdem interessant und frisch gehalten wird ohne viel dekoratives Beiwerk". Das kann man gar nicht oft genug unterstreichen. Ich kenne keinen Komponisten, der mit verhältnismäßig simpler Orchestrierung bzw. Arrangement so viel Ausdruck erzielt hat.
 
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Danke! Goldsmith war definitiv einer der einflussreichsten und produktivsten (Film-)Komponisten und ist neben Wagner einer meiner absoluten Lieblingskomponisten. Leider wird und wurde er im Hollywood-Mainstream im Vergleich zu Williams und Zimmer eher stiefmütterlich behandelt, obwohl seine Musik der von Williams (und selbstverständlich Zimmers heutigem generischen Sounddesign) in keinster Weise nachsteht. Immerhin findet in Filmmusik-Kreisen seit einigen Jahren ein regelrechtes Goldsmith-Revival statt mit u. a. zig Veröffentlichungen über die einschlägigen Labels.

Ich kenne Goldsmith Œuvre sehr gut und bis auf zwei seiner größten Scores – Omen III + Star Trek: TMP – hat er neben Lionheart in den meisten Fällen eher monothematisch komponiert. Das heißt, es gibt ein zentrales Hauptthema (z. B. den „Gremlin Rag“ aus Gremlins), das häufig zu Beginn des Films im Main Title in musikalisch auskomponierter Form vorgestellt und im Verlauf des Scores passend zur Handlung des Films zitiert und vor allem (!) variiert wird. Das gibt dem gesamten Score musikalisch einen roten Faden ohne den Film melodisch zu überfrachten. Gelegenheiten für ausgedehnte Leitmotiv-Arbeit wie Williams mit der gesamten Star-Wars-Reihe und vor allem natürlich Howard Shore mit LotR hatte er durch die ihm angebotenen Filme (leider viele filmische Gurken dabei) nur selten. Star Trek als Franchise hat er natürlich enorm geprägt durch seine dann auch später von anderen Komponisten zitierten Leitmotive, etwa für Enterprise, Sternenflotte, Klingonen, Ilia, V'Ger etc.

Trotzdem sieht man bei den meisten seiner Scores, insbesondere in den 80ern und 90ern meiner Einschätzung nach eine deutliche Tendenz zum Monothematischen; im Gegensatz zu anderen zeitgenössischen Komponisten. Das hat er auch selbst mehrfach in Interviews betont, so z. B. 1992 zu seiner leider abgelehnten Filmmusik für The Public Eye:

„Though Goldsmith wrote a “beautiful theme,” according to the director, there wasn’t anything beyond it. The composer clarified he is not one to write “themes for different things.”

Ich sehe das auch überhaupt nicht als Kritikpunkt, sondern als sehr bewusste stilistische Entscheidung.

Hier ist übrigens zum Vergleich King Richard als Orchester-Variante:


View: https://www.youtube.com/watch?v=R9Sn8BYNXtQ

Diese Version hab ich zum Raushören verwendet. Mir gefällt dieser Live-Mitschnitt sogar noch besser als die offizielle Studio-Aufnahme für den Films. Durch das höhere Tempo und die bessere Intonation (London Symphony Orchestra) hat das ganze einfach noch mehr Druck und Power. :)
 
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Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Da hatte ich dich missverstanden. Du sprachst von Leitmotiv-Technik und ich hatte thematische Musik im Hinterkopf.

"Filmische Gurken", haha, ja das stimmt wohl. Star Trek, das große Franchise, stimmt. Wobei ich finde, dass Star Trek ein gar nicht so typischer Goldsmith-Score ist. Ich überlege gerade, was an ikonischen OST dabei ist. Alien auf jeden Fall. Diese Flöten-Staccatos, einfach wunderbar.

Ansonsten fallen mir noch zig andere Sachen ein, aber die sind alle nicht ganz so hervorstechend: Omen, The Mummy, Rambo, 13th Warrior. Explorers hat mir auch gut gefallen. Small Soldiers. Von Lionheart habs doch eine Doppel-CD oder? Aber ich glaub mein Lieblings-Soundtrack ist The Edge. Ein Track darauf war der erste, den ich vor 5 Jahren als MIDI-Mockup nachgebaut habe, bevor mich diese ganze Filmmusikproduktion komplett vereinnahmt hat 😁
 
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Dann sind wir uns ja doch einig! 😉 Goldsmith hat unzählige super eingängige Themen geschrieben, die aber durch den ausgebliebenen Erfolg der zugehörigen Filme leider nie die popkulturelle Bekanntheit bekommen haben wie etwa bei Williams: Williams hat Indiana Jones bekommen, Goldsmith King Solomon's Mines; Williams Superman, Goldsmith Supergirl; Williams Jaws, Goldsmith Leviathan usw. Ich bin aber im Rückblick trotzdem sehr froh, dass Goldsmith all diese teils obskuren B-Movie-Projekte angenommen hat und dann stets sein Bestes gegeben hat, um die Filme irgendwie musikalisch aufzuwerten. Für Dramen und Romanzen, laut eigener Aussage hatte er da intrinsisch eigentlich am ehesten Lust drauf, hätte er niemals diese großartigen Actiontracks und majestätischen Themen schreiben können. Da können wir uns echt glück schätzen!

Ich gebe dir auch völlig Recht bezüglich Star Trek: TMP. Der ist tatsächlich eher untypisch, insbesondere für seine damalige Schaffensphase (eher noch avangardistisch/modernistisch geprägt). Typisch Goldsmithsche Stilismen wie alternierende Taktarten, brutale Blechattacken, häufige Modulationen, freitonale Passagen kommen nur sehr spärlich vor. Trotzdem ist der Score rückblickend wohl eines seiner einflussreichsten und wichtigsten Werke.

Ich mag eigentlich alles Score von ihm; besonders die von dir Genannten plus ganz besonders den zweiten Rambo mit dem ziemlich paradoxen Titel „First Blood Part II“. 😄 Bis auf wenige Ausnahme kann ich mir im Falle von Goldsmith (ähnlich wie bei Bernard Herrmann oder Howard Shore) eigentlich jedes Stück eines Scores auch einzeln und isoliert in größeren Playlisten anhören, da Goldsmith eigentlich immer in einer musikalischen Form komponiert hat, die gar nicht so sehr ans Bild gebunden ist (also kein strenges Underscoring oder gar Mickey Mousing), sondern in erster Linie die Grundstimmung der jeweiligen Szene versucht hat einzufangen (sog. Mood-Technik).
 
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