Dolby Atmos Mastering Tool
Dolby Atmos ist mittlerweile auf allen Medien hörbar: Im Kino, Tonstudio, Auto, auf Kopfhörern und auf Soundbars. Genauso ist auch die Erstellung des Contents machbar, wenn man nur mit Kopfhörern arbeitet und die Binauralisierung nutzt. Aber selbst wenn man mit Kopfhörern arbeitet, muss man sich trotzdem mit Multikanal-Mischungen beschäftigen.
Und da kommt ganz schnell ein großes Problem: Die wenigsten Plug-Ins gehen über Stereo hinaus. LCR, 5.1 oder 7.1.4 sind kaum vorhanden. Mittlerweile gibt es ein paar Mehrkanal-Reverbs (Spacelab, Cinematic Rooms, Seventh Heaven, Fabfilter R-2, Chameleon Surround, Altiverb XL, Black Hole Immerse), aber nur wenige Delays (Nuendo Multi-Tap-5.1, Sound Particles inDelay,Mountain Road Lumina Delay), EQs und Kompressoren (Pro-Q4, Pro C-2, Nuendo intern, gravitas MDS). Es gibt dafür zwar Workarounds, die aber natürlich umständlich sind und auch nicht immer funktionieren.
Hier kommt armada ins Spiel. Fiedler Audio ist schon lange ein Entwickler von Dolby Atmos Tools und hat sich schon ein eigenes Öko-System aufgebaut und eigene Plug-Ins entwickelt. Aber wer sein Lieblings-Plug-in nutzen wollte, stand immer noch vor einer großen Herausforderung. armada ist ein Immersive Plugin-Wrapper für jedes Format, der jedes Plug-In in jedem beliebigen Format nutzen lässt. Klappt das wirklich?
Eine neue Welt
Das Plug-In gibt es als VST3, AU, AAX und OBAM und ist damit in allen DAWs verfügbar. OBAM ist ein eigenes Plug-In-Format für den Fiedler Audio Dolby Atmos Composer und für Fiedler Audio Mastering Console, kann aber auch von Drittanbietern kostenlos genutzt werden. In der OBAM Version kann armada sogar auf alle 128 Kanäle eines Dolby Atmos Mixes zugreifen.
Beim Start ist armada erst mal leer und hat keinen Zugriff auf PlugIns.
Diese müssen zuerst gescannt werden, bevor sie benutzt werden können. Es können ausschließlich Plug-Ins benutzt werden, die auch in mono verfügbar sind. Einige Plug-Ins sind erstaunlicherweise nur als Stereo-Variante verfügbar. Das werde ich gleich noch lernen.
Über den Knopf ‚Select PlugIn‘ wähle ich mir ein Plug-In aus und freue mich, dass ich das Plug-In aus einer Liste auswählen kann oder ich gebe einfach den Namen ein, und schon bekomme ich die richtigen Ergebnisse geliefert. Ich entscheide mich für die Shaperbox 3 von cableguys.
Ich bleibe erst mal in 5.1. Zunächst gucken wir uns aber den Mixer an. Der große Vorteil ist, dass man damit in ProTools endlich die Möglichkeit hat, einzelne Speaker solo zu hören oder stummzuschalten ohne ein weiteres kostenpflichtiges Plug-In (Spanner). Jeder Kanal kann auch separat in seiner Lautstärke geregelt werden.
Das Plug-In, das ich einlade, wird in mehrfachen Mono-Instanzen benutzt. Ein Stereo-Hall kann anders klingen als derselbe Hall in einer Stereo-armada-Instanz, da aufgrund der Mono-Kanäle kein Crossfeed stattfindet und der linke und rechte Kanal komplett unabhängig voneinander sind.
Nun sollten alle Kanäle verlinkt sein und somit Änderungen von Kanal L auch auf allen anderen Kanälen übernommen werden. Leider habe ich mir anscheinend genau das Plug-In rausgesucht, das das nicht kann.
Bei der Shaperbox 3 muss ich zuerst auswählen, ob ich Volume, Time, Pitch oder etwas anderes moduliere. Änderungen in einem Kanal sollten sich auf alle anderen Kanäle übertragen. Diese tun es aber nicht, da dieses Plug-In die Änderungen anscheinend nicht an den Host, in diesem Fall armada, überträgt.
Ich habe an Fiedler Audio eine Email geschickt und bekam innerhalb weniger Minuten die Antwort, dass dieses Verhalten bekannt ist und daran liegt, dass einige Plug-Ins nicht jede Information an den Host mitteilen. Ich hätte mich gefreut, wenn diese Information im Handbuch erwähnt würde oder es beim Einladen des Plug-Ins eine Warnmeldung gibt, denn das hätte mir viel Zeit gespart und ich hätte gewusst, dass es keine Fehlbedienung oder ein Fehlverhalten von armada ist.
Die Shaperpox kann sehr wohl Parameter wie Mix oder Trim an armada übertragen und somit lassen sich teilweise mehrere Kanäle miteinander verlinken. Das funktioniert, da dies automatisierbare Parameter sind.
Ähnlich verhält es sich auch beim FilterFreak1 von Soundtoys. Es lässt sich alles verlinken, was automatisierbar ist, nur eben nicht der Tweak-Parameter, was aber auch an der Plug-In-Struktur liegt und nicht geändert werden kann. Der Fabfilter Pro-C3 ist dagegen ein Positiv-Beispiel, da das Umschalten des Sidechains von intern auf extern funktioniert, da es an armada kommuniziert wird. Man darf sich auch mal freuen.
Ich probiere mich weiter durch:
- Sonnox Inflator → alles okay
- Ozone 12 → Verlinkung klappt teilweise
- Ozone PlugIns → alles okay
- Arturia → alles okay, Efx-Plug-In leider nur Stereo, daher nicht nutzbar
- Eventide → alles okay
- Fabfilter → alles okay, (Simplon nicht möglich, da nur Stereo-Variante)
- Kush Audio → alles okay
- NativeInstruments → alles okay
- oeksound → soothe2 läuft
- PlugIn Alliance → alles okay
- Sonible → alles okay
- Soundtheory → alles okay
- SSL → alles okay
- Submission → alles okay (Flatline 2)
- Supertone → alles okay
- UAD → alles okay
- Valhalla DSP → alles okay
- Wavesfactory → alles okay
Weitermachen
Nach etwas Korinthen*****rei geht es weiter zu den Vorteilen von armada.
Dieses Mal habe ich mir von Wavesfactory das Plug-In Cassette eingeladen. Der Sound wird dadurch etwas dreckiger und verliert dadurch auch etwas Höhen. Diesen Effekt möchte ich nicht auf den vorderen Speakern (LRC) und dem LFE haben, sondern nur hinten. Also wähle ich die ersten vier Kanäle aus. Das geht entweder, indem ich auf jeden Kanal mit gedrückter Strg-Taste drücke oder zuerst auf den linken Kanal und danach mit gedrückter Shift-Taste auf den LFE. Damit sind vier Kanäle ausgewählt.
Nun kann ich die Selektion mit rechter Maustaste deaktivieren. Auch wenn dies laut Handbuch ein Bypass ist, spart man trotzdem Rechenleistung.
Als nächstes möchte ich das Plug-In auf allen Kanälen benutzen, aber mit unterschiedlichen Settings. Dafür wähle ich die ersten drei Kanäle (LRC) und mit dem + links neben ALL kann ich mir eine neue Gruppe erzeugen. Diese benenne ich ‚Front‘ und gebe ihr die gelbe Farbe. Der LFE ist unwichtig. Ich schnappe mir aber Ls und Rs und erstelle die Gruppe ‚Rear‘ in blau.
Gruppen
Wenn ich alle Kanäle gleich editieren möchte, klicke ich ‚ALL‘. In meinem Fall möchte ich auf den hinteren Kanälen einen leicht anderen Sound haben. Also wähle ich die Gruppe ‚Rear‘. Dort stelle ich die Kassette um von ‚pro‘ auf ‚micro‘ und erhöhe den Input. Der Sound wird dadurch nicht lauter (da es vom Plug-In kompensiert wird), aber der Sound ändert sich radikal.
armada bietet zwei Gruppen-Typen an: lokal und global. Jede Gruppe ist erst mal eine lokale Gruppe, wenn sie beim Erstellen nicht auf ‚global‘ gestellt wurde. Eine lokale Gruppe existiert damit nur innerhalb dieser einen armada Instanz. Stellt man sie auf ‚global‘, ist sie auch sichtbar in anderen armada Instanzen. Wozu kann das gut sein?
In meinem Beispiel habe ich alle Drum-Spuren auf einen 5.1 Bus geschickt. Dort nutze ich armada und lade als Reverb Seventh Heaven Professional, erstelle mir eine Gruppe mit den hinteren Kanälen (Ls, Rs), benenne diese (Room Rear) und deaktiviere alle anderen Kanäle. Im Hall stelle ich die Hallzeit relativ kurz ein und setze den Lo-Cut auf 400 Hz. Das Ergebnis ist ein Hall, der nur hinten stattfindet und das Signal dünner macht. Signale, die jetzt nach hinten geroutet werden, klingen etwas weiter weg.
Das Ergebnis gefällt mir und ich möchte es nicht nur auf der Drum-Gruppe haben, sondern auch auf den Synths. Zuerst bleibe ich bei der Drum-Gruppe und wandle die Gruppe ‚Room Rear‘ mit einem Rechtsklick in eine Global-Group um.
Danach lade ich in die Synth-5.1-Gruppe auch armada und Seventh Heaven Professional. Mit Klick auf das Kettensymbol werden mir die anderen armada-Instanzen mit dem gleichen Plug-In und globalen Gruppen angezeigt. Ich wähle dort Drums aus und habe jetzt auch Zugriff auf die ‚Room Rear‘ Gruppe aus den Drums. Momentan ist es noch umständlich, dass ich zuerst das Reverb Plug-In auswählen muss und erst dann die Global-Group über das Ketten-Symbol anwählen kann. Das ist in der neuen Version 1.08 aber anders. Diese zeigt auch nicht nur den Namen der Gruppe an, sondern auch das Plug-In.
Was ich mir noch wünsche, ist das Abspeichern von Presets, die das genutzte Plug-In inklusive der Gruppen abspeichern, denn bisher können ausschließlich Gruppen gespeichert werden. Alternativ kann ich Presets aber auch direkt über die DAW abspeichern.
Das Einladen einer Global-Group aus einer anderen armada Instanz ist nicht nur die Übertragung eines Presets, sondern Global-Groups sind miteinander verknüpft. Alle Änderungen, die ich in einer Global-Group vornehme, werden in allen anderen Instanzen genauso vorgenommen. Es ist also eine Verlinkung.
Nun schicke ich meine Synthesizer auf die Gruppe ‚Synth‘, auf der ich auch das armada Plug-In nutze. Ich merke, dass ich generell hinten doch etwas mehr Bass vertragen kann, reduziere den Lo-Cut im Reverb und automatisch passiert dasselbe bei den Drums. Wenn ich das Ganze unabhängig voneinander regeln möchte, wandle ich die Gruppe ‚Room Rear‘ mit Rechtsklick einfach wieder in eine lokale Gruppe um.
Sidechaining
Bis jetzt habe ich kaum mit dynamischen Plug-Ins gearbeitet, obwohl das Plug-In Cassette natürlich schon auf den Input reagiert. Was ist aber, wenn ich einen Compressor oder Limiter einschleife? Wenn jeder Mono-Kompressor für sich arbeitet, kann es sein, dass die Snare, die links zu hören ist, immer nur die linke Seite wegdrückt. Das klingt komisch, auf einmal ändert sich die Balance.
Ich habe den Fabfilter Pro-C3 eingeladen.
Sehr schön ist, dass der armada-Mixer nicht nur Ein- und Ausgangspegel anzeigt, sondern auch die Kompressions-Stärke.
Momentan bekommt jeder der Kanäle und damit jeder der Kompressoren sein eigenes Signal. Das kann in einer 5.1 Dialog-Mischung sogar durchaus sinnvoll sein, wenn jeder Kanal mit soothe2, einem De-Esser oder McDSP SA-2 bearbeitet wird.
Damit ich jede Instanz von Pro-C3 kontrolliert ansteuern kann, muss ich zuerst den externen Sidechain-Input aktivieren. Momentan duckt die linke Seite um 12 dB, die rechte Seite nur um 6 dB. Das möchte ich ändern, da der Kompressor sich wirklich wie ein Stereo oder echter Mehrkanal-Kompressor verhalten soll.
Durch Drücken auf den Mini-Mixer-Knopf komme ich in das Sidechain-Menü. Diese Funktion ist nur verfügbar, wenn das PlugIn überhaupt Sidechain anbietet. Der Regler steht momentan ganz links auf ‚Individual‘, das heißt, jeder Kompressor bekommt sein eigenes unabhängiges Signal.
Wir wechseln jetzt komplett nach rechts auf 100% Mix. Über den Sidechain-Mixer kann das Sidechain-Signal pro Kanal gelevelt werden. Momentan verhalten sich alle Kompressoren und Kanäle gleich.
Denn nun wird aus allen Inputs eine Mono-Summe erzeugt und auf jeden Kompressor geschickt.
Ziehe ich im Sidechain-Mixer alle Fader nach unten, bekommt kein Kompressor ein Sidechain-Signal.
Als nächstes schicke ich nur das Signal von der Front (LCR) in den Sidechain. Eine Snare, die vorne zu hören ist, gibt nun das Sidechain-Signal auf alle Kompressoren. Aber eine Snare, die hinten zu hören ist, wird nicht in den Sidechain-Input geschickt.
Mit ‚Listen‘ ist zu hören, welches Signal wirklich wohin geschickt wird. In meinem Fall höre ich auf einmal die Summe von LR auf allen meinen 5.1 Speakern, denn es wird ja der Sidechain jedes Kompressors bespielt. Na, raucht schon der Schädel? Dann empfehle ich, das Video anzugucken, da wird alles klar. Übrigens das erste Video auf Deutsch zu armada.
Das nächste Level
Ich habe mir drei Gruppen erstellt: Front, LFE, Rear. Die vordere Gruppe bekommt nur das Sidechain-Signal von vorne, die hintere Gruppe nur das Sidechain-Signal von hinten. Wenn ich die Raum-Mikrofone nach hinten lege, bleiben diese von der vorderen Kick unbeeindruckt.
Wenn hinten ein lauteres Signal kommt, möchte ich aber, dass der Sidechain-Input höher ist. Also stelle ich diesen auf +12 dB anstatt auf 0. Jetzt kann es hinten richtig pumpen.
Im nächsten Szenario wähle ich die Rear-Gruppe an, sage dieser aber, dass sie kein Signal von hinten bekomme, sondern nur von vorne. Jetzt lässt die vordere Kick das hintere Pad pumpen.
Was ist, wenn ich das Pad im Raum bewegen möchte und es auf jedem Kanal pumpen soll, auch vorne? Dann brauche ich eine andere Lösung. Ich aktiviere den Sidechain in Nuendo. Jetzt habe ich zusätzlich zu den Main Inputs noch den External SC Input. Ich mute die Main Sidechain Inputs und nutze nur noch den External Sidechain Input. Jetzt schicke ich die Kick per Send auf den Sidechain Input und mein Pad pumpt.
Es gibt sogar noch einen zweiten Regler, der regelt, wie viel vom externen Sidechain prozentual auf den Individual-Sidechain hinzugegeben wird. Allerdings ist diese Funktion nur verfügbar, wenn die Anzahl der armada-Kanäle mit den Sidechain-Kanälen übereinstimmen. In ProTools ist das Mono (hier sind Sidechains immer mono) und in Nuendo und Cubase stereo. Reaper ist da deutlich flexibler. Das heißt, dass diese Funktion selten genutzt werden kann, was für mich aber auch eher unwichtig ist.
In der Version 1.08 gibt es sogar noch einen Master-Fader für den Sidechain (das Bild stammt aus einem Video).
Automation
Damit ein Parameter überhaupt erst automatisiert werden kann, muss in deren Gruppe mit Rechtsklick die Option ‚Automate Here‘ aktiviert werden. Ähnlich wie in ProTools. Hier ist es wichtig, das Handbuch zu lesen, da es darauf hinweist, dass das Aktivieren der Automation auf einigen Gruppen und späteres Deaktivieren die Reihenfolge der Parameter ändert und damit also auf einmal falsche Parameter automatisiert werden. Im Zweifel sollte man also die Automation nicht deaktivieren.
Multi Threading
Das Berechnen der Plug-Ins kann sehr CPU-intensiv sein und für Aussetzer sorgen. Daher können mehrere Threads hinzugefügt werden.
armada im Video-Test
View: https://youtu.be/b0-FrbImqCM
Fazit
Der Dolby Atmos Profi erkennt die Ähnlichkeit zum Waves Immersive Wrapper. armada geht aber noch etwas weiter, da es auch als OBAM verfügbar ist, einen besseren Latenzausgleich besitzt, mehr Formate anbietet (nicht nur bis zu 9.1.4, sondern 9.1.6, NHK 22.2 und mehr), Multi-Threading und den Channel-Mixer. armada ist die perfekte Lösung, um mehrere Plug-Ins kanalübergreifend miteinander zu verlinken, mono Plug-Ins in immersiven Formaten zu nutzen oder Sidechains frei zu routen – und armada ist sogar günstiger.
Es ist nicht nur ein praktischer Helfer, sondern kann auch zu neuen Arbeitsmethoden inspirieren oder einen kreativ werden lassen. Das Sidechaining ist sehr flexibel und bietet viele Möglichkeiten. Bei meiner Version 1.07 kam es unter Windows mit Nuendo leider zu einigen Abstürzen. Vielen Dank an Thomas Fiedler, der mir zuerst per E-Mail und später mehrfach per Telefon hilfreich zur Seite stand. Alle von mir angesprochenen Themen sind entweder schon bekannt oder werden in Zukunft behoben. Thomas bekam von mir alle Test-Sessions. Ich werde armada noch mal auf meinem Apple Rechner testen. Sobald neue Versionen kommen, berichte ich gerne, was sich geändert hat. Die Test-Version kann man 45 Tage lang testen, was ich mehr als großzügig finde. Man geht also kein Risiko ein und kann sich lange vom Nutzen überzeugen.
Hersteller: Fiedler Audio
Formate: VST3, AAX, AU, OBAM
Preis: 249 €
Und da kommt ganz schnell ein großes Problem: Die wenigsten Plug-Ins gehen über Stereo hinaus. LCR, 5.1 oder 7.1.4 sind kaum vorhanden. Mittlerweile gibt es ein paar Mehrkanal-Reverbs (Spacelab, Cinematic Rooms, Seventh Heaven, Fabfilter R-2, Chameleon Surround, Altiverb XL, Black Hole Immerse), aber nur wenige Delays (Nuendo Multi-Tap-5.1, Sound Particles inDelay,Mountain Road Lumina Delay), EQs und Kompressoren (Pro-Q4, Pro C-2, Nuendo intern, gravitas MDS). Es gibt dafür zwar Workarounds, die aber natürlich umständlich sind und auch nicht immer funktionieren.
Hier kommt armada ins Spiel. Fiedler Audio ist schon lange ein Entwickler von Dolby Atmos Tools und hat sich schon ein eigenes Öko-System aufgebaut und eigene Plug-Ins entwickelt. Aber wer sein Lieblings-Plug-in nutzen wollte, stand immer noch vor einer großen Herausforderung. armada ist ein Immersive Plugin-Wrapper für jedes Format, der jedes Plug-In in jedem beliebigen Format nutzen lässt. Klappt das wirklich?
Eine neue Welt
Das Plug-In gibt es als VST3, AU, AAX und OBAM und ist damit in allen DAWs verfügbar. OBAM ist ein eigenes Plug-In-Format für den Fiedler Audio Dolby Atmos Composer und für Fiedler Audio Mastering Console, kann aber auch von Drittanbietern kostenlos genutzt werden. In der OBAM Version kann armada sogar auf alle 128 Kanäle eines Dolby Atmos Mixes zugreifen.
Beim Start ist armada erst mal leer und hat keinen Zugriff auf PlugIns.
Diese müssen zuerst gescannt werden, bevor sie benutzt werden können. Es können ausschließlich Plug-Ins benutzt werden, die auch in mono verfügbar sind. Einige Plug-Ins sind erstaunlicherweise nur als Stereo-Variante verfügbar. Das werde ich gleich noch lernen.
Über den Knopf ‚Select PlugIn‘ wähle ich mir ein Plug-In aus und freue mich, dass ich das Plug-In aus einer Liste auswählen kann oder ich gebe einfach den Namen ein, und schon bekomme ich die richtigen Ergebnisse geliefert. Ich entscheide mich für die Shaperbox 3 von cableguys.
Ich bleibe erst mal in 5.1. Zunächst gucken wir uns aber den Mixer an. Der große Vorteil ist, dass man damit in ProTools endlich die Möglichkeit hat, einzelne Speaker solo zu hören oder stummzuschalten ohne ein weiteres kostenpflichtiges Plug-In (Spanner). Jeder Kanal kann auch separat in seiner Lautstärke geregelt werden.
Das Plug-In, das ich einlade, wird in mehrfachen Mono-Instanzen benutzt. Ein Stereo-Hall kann anders klingen als derselbe Hall in einer Stereo-armada-Instanz, da aufgrund der Mono-Kanäle kein Crossfeed stattfindet und der linke und rechte Kanal komplett unabhängig voneinander sind.
Nun sollten alle Kanäle verlinkt sein und somit Änderungen von Kanal L auch auf allen anderen Kanälen übernommen werden. Leider habe ich mir anscheinend genau das Plug-In rausgesucht, das das nicht kann.
Bei der Shaperbox 3 muss ich zuerst auswählen, ob ich Volume, Time, Pitch oder etwas anderes moduliere. Änderungen in einem Kanal sollten sich auf alle anderen Kanäle übertragen. Diese tun es aber nicht, da dieses Plug-In die Änderungen anscheinend nicht an den Host, in diesem Fall armada, überträgt.
Ich habe an Fiedler Audio eine Email geschickt und bekam innerhalb weniger Minuten die Antwort, dass dieses Verhalten bekannt ist und daran liegt, dass einige Plug-Ins nicht jede Information an den Host mitteilen. Ich hätte mich gefreut, wenn diese Information im Handbuch erwähnt würde oder es beim Einladen des Plug-Ins eine Warnmeldung gibt, denn das hätte mir viel Zeit gespart und ich hätte gewusst, dass es keine Fehlbedienung oder ein Fehlverhalten von armada ist.
Die Shaperpox kann sehr wohl Parameter wie Mix oder Trim an armada übertragen und somit lassen sich teilweise mehrere Kanäle miteinander verlinken. Das funktioniert, da dies automatisierbare Parameter sind.
Ähnlich verhält es sich auch beim FilterFreak1 von Soundtoys. Es lässt sich alles verlinken, was automatisierbar ist, nur eben nicht der Tweak-Parameter, was aber auch an der Plug-In-Struktur liegt und nicht geändert werden kann. Der Fabfilter Pro-C3 ist dagegen ein Positiv-Beispiel, da das Umschalten des Sidechains von intern auf extern funktioniert, da es an armada kommuniziert wird. Man darf sich auch mal freuen.
Ich probiere mich weiter durch:
- Sonnox Inflator → alles okay
- Ozone 12 → Verlinkung klappt teilweise
- Ozone PlugIns → alles okay
- Arturia → alles okay, Efx-Plug-In leider nur Stereo, daher nicht nutzbar
- Eventide → alles okay
- Fabfilter → alles okay, (Simplon nicht möglich, da nur Stereo-Variante)
- Kush Audio → alles okay
- NativeInstruments → alles okay
- oeksound → soothe2 läuft
- PlugIn Alliance → alles okay
- Sonible → alles okay
- Soundtheory → alles okay
- SSL → alles okay
- Submission → alles okay (Flatline 2)
- Supertone → alles okay
- UAD → alles okay
- Valhalla DSP → alles okay
- Wavesfactory → alles okay
Weitermachen
Nach etwas Korinthen*****rei geht es weiter zu den Vorteilen von armada.
Dieses Mal habe ich mir von Wavesfactory das Plug-In Cassette eingeladen. Der Sound wird dadurch etwas dreckiger und verliert dadurch auch etwas Höhen. Diesen Effekt möchte ich nicht auf den vorderen Speakern (LRC) und dem LFE haben, sondern nur hinten. Also wähle ich die ersten vier Kanäle aus. Das geht entweder, indem ich auf jeden Kanal mit gedrückter Strg-Taste drücke oder zuerst auf den linken Kanal und danach mit gedrückter Shift-Taste auf den LFE. Damit sind vier Kanäle ausgewählt.
Nun kann ich die Selektion mit rechter Maustaste deaktivieren. Auch wenn dies laut Handbuch ein Bypass ist, spart man trotzdem Rechenleistung.
Als nächstes möchte ich das Plug-In auf allen Kanälen benutzen, aber mit unterschiedlichen Settings. Dafür wähle ich die ersten drei Kanäle (LRC) und mit dem + links neben ALL kann ich mir eine neue Gruppe erzeugen. Diese benenne ich ‚Front‘ und gebe ihr die gelbe Farbe. Der LFE ist unwichtig. Ich schnappe mir aber Ls und Rs und erstelle die Gruppe ‚Rear‘ in blau.
Gruppen
Wenn ich alle Kanäle gleich editieren möchte, klicke ich ‚ALL‘. In meinem Fall möchte ich auf den hinteren Kanälen einen leicht anderen Sound haben. Also wähle ich die Gruppe ‚Rear‘. Dort stelle ich die Kassette um von ‚pro‘ auf ‚micro‘ und erhöhe den Input. Der Sound wird dadurch nicht lauter (da es vom Plug-In kompensiert wird), aber der Sound ändert sich radikal.
armada bietet zwei Gruppen-Typen an: lokal und global. Jede Gruppe ist erst mal eine lokale Gruppe, wenn sie beim Erstellen nicht auf ‚global‘ gestellt wurde. Eine lokale Gruppe existiert damit nur innerhalb dieser einen armada Instanz. Stellt man sie auf ‚global‘, ist sie auch sichtbar in anderen armada Instanzen. Wozu kann das gut sein?
In meinem Beispiel habe ich alle Drum-Spuren auf einen 5.1 Bus geschickt. Dort nutze ich armada und lade als Reverb Seventh Heaven Professional, erstelle mir eine Gruppe mit den hinteren Kanälen (Ls, Rs), benenne diese (Room Rear) und deaktiviere alle anderen Kanäle. Im Hall stelle ich die Hallzeit relativ kurz ein und setze den Lo-Cut auf 400 Hz. Das Ergebnis ist ein Hall, der nur hinten stattfindet und das Signal dünner macht. Signale, die jetzt nach hinten geroutet werden, klingen etwas weiter weg.
Das Ergebnis gefällt mir und ich möchte es nicht nur auf der Drum-Gruppe haben, sondern auch auf den Synths. Zuerst bleibe ich bei der Drum-Gruppe und wandle die Gruppe ‚Room Rear‘ mit einem Rechtsklick in eine Global-Group um.
Danach lade ich in die Synth-5.1-Gruppe auch armada und Seventh Heaven Professional. Mit Klick auf das Kettensymbol werden mir die anderen armada-Instanzen mit dem gleichen Plug-In und globalen Gruppen angezeigt. Ich wähle dort Drums aus und habe jetzt auch Zugriff auf die ‚Room Rear‘ Gruppe aus den Drums. Momentan ist es noch umständlich, dass ich zuerst das Reverb Plug-In auswählen muss und erst dann die Global-Group über das Ketten-Symbol anwählen kann. Das ist in der neuen Version 1.08 aber anders. Diese zeigt auch nicht nur den Namen der Gruppe an, sondern auch das Plug-In.
Was ich mir noch wünsche, ist das Abspeichern von Presets, die das genutzte Plug-In inklusive der Gruppen abspeichern, denn bisher können ausschließlich Gruppen gespeichert werden. Alternativ kann ich Presets aber auch direkt über die DAW abspeichern.
Das Einladen einer Global-Group aus einer anderen armada Instanz ist nicht nur die Übertragung eines Presets, sondern Global-Groups sind miteinander verknüpft. Alle Änderungen, die ich in einer Global-Group vornehme, werden in allen anderen Instanzen genauso vorgenommen. Es ist also eine Verlinkung.
Nun schicke ich meine Synthesizer auf die Gruppe ‚Synth‘, auf der ich auch das armada Plug-In nutze. Ich merke, dass ich generell hinten doch etwas mehr Bass vertragen kann, reduziere den Lo-Cut im Reverb und automatisch passiert dasselbe bei den Drums. Wenn ich das Ganze unabhängig voneinander regeln möchte, wandle ich die Gruppe ‚Room Rear‘ mit Rechtsklick einfach wieder in eine lokale Gruppe um.
Sidechaining
Bis jetzt habe ich kaum mit dynamischen Plug-Ins gearbeitet, obwohl das Plug-In Cassette natürlich schon auf den Input reagiert. Was ist aber, wenn ich einen Compressor oder Limiter einschleife? Wenn jeder Mono-Kompressor für sich arbeitet, kann es sein, dass die Snare, die links zu hören ist, immer nur die linke Seite wegdrückt. Das klingt komisch, auf einmal ändert sich die Balance.
Ich habe den Fabfilter Pro-C3 eingeladen.
Sehr schön ist, dass der armada-Mixer nicht nur Ein- und Ausgangspegel anzeigt, sondern auch die Kompressions-Stärke.
Momentan bekommt jeder der Kanäle und damit jeder der Kompressoren sein eigenes Signal. Das kann in einer 5.1 Dialog-Mischung sogar durchaus sinnvoll sein, wenn jeder Kanal mit soothe2, einem De-Esser oder McDSP SA-2 bearbeitet wird.
Damit ich jede Instanz von Pro-C3 kontrolliert ansteuern kann, muss ich zuerst den externen Sidechain-Input aktivieren. Momentan duckt die linke Seite um 12 dB, die rechte Seite nur um 6 dB. Das möchte ich ändern, da der Kompressor sich wirklich wie ein Stereo oder echter Mehrkanal-Kompressor verhalten soll.
Durch Drücken auf den Mini-Mixer-Knopf komme ich in das Sidechain-Menü. Diese Funktion ist nur verfügbar, wenn das PlugIn überhaupt Sidechain anbietet. Der Regler steht momentan ganz links auf ‚Individual‘, das heißt, jeder Kompressor bekommt sein eigenes unabhängiges Signal.
Wir wechseln jetzt komplett nach rechts auf 100% Mix. Über den Sidechain-Mixer kann das Sidechain-Signal pro Kanal gelevelt werden. Momentan verhalten sich alle Kompressoren und Kanäle gleich.
Denn nun wird aus allen Inputs eine Mono-Summe erzeugt und auf jeden Kompressor geschickt.
Ziehe ich im Sidechain-Mixer alle Fader nach unten, bekommt kein Kompressor ein Sidechain-Signal.
Als nächstes schicke ich nur das Signal von der Front (LCR) in den Sidechain. Eine Snare, die vorne zu hören ist, gibt nun das Sidechain-Signal auf alle Kompressoren. Aber eine Snare, die hinten zu hören ist, wird nicht in den Sidechain-Input geschickt.
Mit ‚Listen‘ ist zu hören, welches Signal wirklich wohin geschickt wird. In meinem Fall höre ich auf einmal die Summe von LR auf allen meinen 5.1 Speakern, denn es wird ja der Sidechain jedes Kompressors bespielt. Na, raucht schon der Schädel? Dann empfehle ich, das Video anzugucken, da wird alles klar. Übrigens das erste Video auf Deutsch zu armada.
Das nächste Level
Ich habe mir drei Gruppen erstellt: Front, LFE, Rear. Die vordere Gruppe bekommt nur das Sidechain-Signal von vorne, die hintere Gruppe nur das Sidechain-Signal von hinten. Wenn ich die Raum-Mikrofone nach hinten lege, bleiben diese von der vorderen Kick unbeeindruckt.
Wenn hinten ein lauteres Signal kommt, möchte ich aber, dass der Sidechain-Input höher ist. Also stelle ich diesen auf +12 dB anstatt auf 0. Jetzt kann es hinten richtig pumpen.
Im nächsten Szenario wähle ich die Rear-Gruppe an, sage dieser aber, dass sie kein Signal von hinten bekomme, sondern nur von vorne. Jetzt lässt die vordere Kick das hintere Pad pumpen.
Was ist, wenn ich das Pad im Raum bewegen möchte und es auf jedem Kanal pumpen soll, auch vorne? Dann brauche ich eine andere Lösung. Ich aktiviere den Sidechain in Nuendo. Jetzt habe ich zusätzlich zu den Main Inputs noch den External SC Input. Ich mute die Main Sidechain Inputs und nutze nur noch den External Sidechain Input. Jetzt schicke ich die Kick per Send auf den Sidechain Input und mein Pad pumpt.
Es gibt sogar noch einen zweiten Regler, der regelt, wie viel vom externen Sidechain prozentual auf den Individual-Sidechain hinzugegeben wird. Allerdings ist diese Funktion nur verfügbar, wenn die Anzahl der armada-Kanäle mit den Sidechain-Kanälen übereinstimmen. In ProTools ist das Mono (hier sind Sidechains immer mono) und in Nuendo und Cubase stereo. Reaper ist da deutlich flexibler. Das heißt, dass diese Funktion selten genutzt werden kann, was für mich aber auch eher unwichtig ist.
In der Version 1.08 gibt es sogar noch einen Master-Fader für den Sidechain (das Bild stammt aus einem Video).
Automation
Damit ein Parameter überhaupt erst automatisiert werden kann, muss in deren Gruppe mit Rechtsklick die Option ‚Automate Here‘ aktiviert werden. Ähnlich wie in ProTools. Hier ist es wichtig, das Handbuch zu lesen, da es darauf hinweist, dass das Aktivieren der Automation auf einigen Gruppen und späteres Deaktivieren die Reihenfolge der Parameter ändert und damit also auf einmal falsche Parameter automatisiert werden. Im Zweifel sollte man also die Automation nicht deaktivieren.
Multi Threading
Das Berechnen der Plug-Ins kann sehr CPU-intensiv sein und für Aussetzer sorgen. Daher können mehrere Threads hinzugefügt werden.
armada im Video-Test
View: https://youtu.be/b0-FrbImqCM
Fazit
Der Dolby Atmos Profi erkennt die Ähnlichkeit zum Waves Immersive Wrapper. armada geht aber noch etwas weiter, da es auch als OBAM verfügbar ist, einen besseren Latenzausgleich besitzt, mehr Formate anbietet (nicht nur bis zu 9.1.4, sondern 9.1.6, NHK 22.2 und mehr), Multi-Threading und den Channel-Mixer. armada ist die perfekte Lösung, um mehrere Plug-Ins kanalübergreifend miteinander zu verlinken, mono Plug-Ins in immersiven Formaten zu nutzen oder Sidechains frei zu routen – und armada ist sogar günstiger.
Es ist nicht nur ein praktischer Helfer, sondern kann auch zu neuen Arbeitsmethoden inspirieren oder einen kreativ werden lassen. Das Sidechaining ist sehr flexibel und bietet viele Möglichkeiten. Bei meiner Version 1.07 kam es unter Windows mit Nuendo leider zu einigen Abstürzen. Vielen Dank an Thomas Fiedler, der mir zuerst per E-Mail und später mehrfach per Telefon hilfreich zur Seite stand. Alle von mir angesprochenen Themen sind entweder schon bekannt oder werden in Zukunft behoben. Thomas bekam von mir alle Test-Sessions. Ich werde armada noch mal auf meinem Apple Rechner testen. Sobald neue Versionen kommen, berichte ich gerne, was sich geändert hat. Die Test-Version kann man 45 Tage lang testen, was ich mehr als großzügig finde. Man geht also kein Risiko ein und kann sich lange vom Nutzen überzeugen.
Hersteller: Fiedler Audio
Formate: VST3, AAX, AU, OBAM
Preis: 249 €
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