Mehr Bass mit Suchtgefahr
Im Sounddesign soll oft alles „Bigger than Life“ sein: Mehr Sound, mehr Layer und mehr Bass. Aber woher nehmen, wenn nichts da ist? boomlibrary hat einen neuen Spezialisten im Portfolio, der mehr Wumms in eine Produktion zaubern soll. Das Plug-in ist erhältlich als VST3, AU und AAX.
Ich wende uberbass auf Drums, eine Mischung, Stimme, Piano, Gitarre und Waffen an. Erfreulich ist, dass das Plug-in frei in der Größe einstellbar ist. Solange das Plug-in-Fenster aktiv ist, kann ich den Nummernblock in Nuendo allerdings nicht mehr für Transportfunktionen nutzen (linker Locator, rechter Locator, Start, Stop). Das liegt daran, dass uberbass den Nummernblock kapert und sich darüber bedienen lässt. Sobald ich einen Drehregler mit der Maus bedient habe, kann ich diesen mit den Pfeiltasten (hoch, runter, links, rechts) ändern. Mit Num+1 wird der Maximalwert und mit Num+7 der Minimalwert eingestellt. Num+9 und Num+3 erhöhen und reduzieren um 10 %.
Das ist also kein Bug, sondern ein Feature. Ich hätte mir gewünscht, dass ich diese Funktion bei Bedarf ausschalten könnte. Eine Rückfrage beim Hersteller ergab, dass diese Option voraussichtlich mit einem künftigen Update nachgereicht wird.
Ungewöhnlicherweise fange ich mal unten an. Neben dem Oversampling gibt es auch einen Mix-Regler, den ich gerade bei so einem Plug-in wichtig finde. Alternativ lässt sich uberbass als Send-Effekt einsetzen, dann mit Mix auf 100 %.
Übermächtig präsentiert sich der Boost-Regler in der Mitte. Er ist kein einfacher Mix-Regler (der sitzt ja unten), sondern steuert im Hintergrund zahlreiche weitere Parameter und verändert teilweise sogar das Dry-Signal.
Für den Praxistest habe ich sechs Beispiele vorbereitet:
- Musik
- Waffen
- Drums
- Piano
- Voice-Over-Stimme
- Gitarre
Ich fange mit der Musik an und lege uberbass mit den Default-Settings auf die komplette Summe. Im orchestralen Track spielen im Bassbereich lediglich Kontrabass und Pauke, zusätzliche Synthi-Bässe gibt es nicht. Sobald ich uberbass einschalte, ist ein fetter Bass da, der noch etwas zu präsent ist. Also reduziere ich Mix auf 35 %. Jetzt fällt der Effekt vor allem dann auf, wenn ich das Plug-in ausschalte.
Interessant wird es, wenn ich Boost auf 0 % stelle, Mix aber auf 100 %. Ich höre nur noch den erzeugten Bass, dessen Sound durch alle anderen Parameter beeinflusst wird. Ich gehe wieder zurück auf meine Settings Mix 35 % und Boost 55 %. Nun ballere ich Boost auf 110 %. Damit ich den Sound-Unterschied wirklich vergleichen kann, nutze ich in Nuendo die A/B-Vergleichsfunktion, mit der ich zwischen zwei Plug-in-Settings wechseln kann. Auf a kommt mein erstes Settings, auf b das zweite Setting mit Boost auf 110 % und dafür Mix auf 8 %. Der Sound ist ähnlich, allerdings scheint der erzeugte Bass länger auszuklingen. In meinem Fall bleibe ich bei Version a, weil sie für meinen Geschmack musikalischer klingt und keinen Bassteppich erzeugt.
uberbass erzeugt harmonische Subbässe rund um eine einstellbare Frequenz. Ein bekannter Trick von Alan Meyerson (davon gibt es einige): RBass von Waves einsetzen und die Frequenz auf 42 Hz stellen. Das ist hier auch machbar und klingt fantastisch (das Default-Setting liegt mit 40 Hz schon nah dran).
Natürlich kann man die passende Frequenz ausprobieren oder man stellt einen Ton ein (E0 bis B2). Das ist praktisch, damit lässt sich das Plug-in z. B. auf die Tonart anpassen. Wenn man Boost auf 0 % und Mix auf 100 % stellt, ist das auch gut hörbar.
Wer die Bass-Frequenz noch stärker betonen möchte, erhöht einfach den Q-Factor. Bei einem Schuss höre ich als Grundton ein b (a#), also stelle ich Freq auf A#1 und erhöhe den Q-Factor. Der Unterschied ist besonders dann hörbar, wenn Boost nicht auf Maximum steht.
Als Nächstes kommt das Gate zum Einsatz, das ich direkt an einem Drumkit ausprobiere. Stelle ich den Threshold auf den niedrigsten Wert -60 dB, schwingt der erzeugte Subbass noch lange nach, sodass der komplette Raum viel basslastiger wird. Ich möchte aber nur die Kick anfetten und stelle den Threshold auf -13 dB, Release auf 38 ms und Ratio auf 4:1. Ein Subharmonic-Generator mit integriertem Gate ist mir bisher nicht begegnet. Hier lohnt es sich auf jeden Fall.
Als Nächstes bearbeite ich den Gentleman von Native Instruments mit uberbass. Dieses Upright-Piano ist nicht gerade bekannt für dicke Bässe. Obwohl ich die Frequenz auf 40 Hz setze und den Low Cut auf 125 Hz (also deutlich höher als die Grundfrequenz), klingt das Klavier viel wärmer und wenn ich uberbass ausschalte, habe ich das Gefühl, das Original sei mit einem Smartphone aufgenommen worden.
Auch Stimme kann noch voluminöser klingen. Dafür nehme ich ein Voice-Over aus einer Planetariumsproduktion. Es muss ja nicht immer gleich eine Monsterstimme sein. Laut Handbuch regelt Intensity die Stärke des Effekts. Im Zusammenspiel mit Boost und Mix konnte ich den Unterschied im Test allerdings nicht eindeutig heraushören.
Selbst mit subtilen Einstellungen bekommt die Stimme einen natürlichen Bass, eine schöne Wärme, die vor allem dann auffällt, wenn man das Plug-in deaktiviert. Wie bei Excitern oder beim generellen Anheben der Höhen liegt die Gefahr hier im Suchtfaktor.
Meinen letzten Versuch unternehme ich mit einer cleanen E-Gitarre. Der Drive-Regler arbeitet selbst in der Maximalstellung und auf x2 noch relativ subtil. Eine richtige Verzerrung oder Saturation ist eher nicht zu erwarten, sondern lediglich etwas Drive. Das Signal wird dadurch etwas lauter, ist aber kein Soundmacher.
Bei der Gitarre dachte ich: „Was soll da schon an Bass herauszuholen sein?“ Da habe ich mich getäuscht, denn das Signal klingt jetzt wesentlich satter.
uberbass im Videotest
View: https://youtu.be/8kvUSLAkku8
Fazit
uberbass ist nicht nur im Sounddesign nützlich, sondern auch in der Musikproduktion: auf einzelnen Instrumenten, auf Bussen oder sogar auf der Summe. Das Gate ist sinnvoll für kurze Subbässe und neben dem LowEnder (Refuse Software) wird uberbass sicher ein Lieblings-Plug-in für den LFE-Kanal in Film- und Dolby-Atmos-Mischungen werden. So ziemlich jeder Sound kann etwas hinzugewinnen und klingt ohne uberbass auf einmal leer. Und hier liegt die Suchtgefahr, plötzlich alles damit zu bearbeiten. Wer uberbass gezielt auf wenige Sounds legt und den Effekt teils nur subtil hinzufährt, kann noch einen draufsetzen und umso mehr Eindruck schinden. Am besten selbst ausprobieren: Eine Testversion läuft zwei Wochen.
Hersteller: boomlibrary
Format: VST3, AU, AAX
Preis: 99 € (Early-Bird-Preis 79,20 €) zzgl. MwSt.
Ich wende uberbass auf Drums, eine Mischung, Stimme, Piano, Gitarre und Waffen an. Erfreulich ist, dass das Plug-in frei in der Größe einstellbar ist. Solange das Plug-in-Fenster aktiv ist, kann ich den Nummernblock in Nuendo allerdings nicht mehr für Transportfunktionen nutzen (linker Locator, rechter Locator, Start, Stop). Das liegt daran, dass uberbass den Nummernblock kapert und sich darüber bedienen lässt. Sobald ich einen Drehregler mit der Maus bedient habe, kann ich diesen mit den Pfeiltasten (hoch, runter, links, rechts) ändern. Mit Num+1 wird der Maximalwert und mit Num+7 der Minimalwert eingestellt. Num+9 und Num+3 erhöhen und reduzieren um 10 %.
Das ist also kein Bug, sondern ein Feature. Ich hätte mir gewünscht, dass ich diese Funktion bei Bedarf ausschalten könnte. Eine Rückfrage beim Hersteller ergab, dass diese Option voraussichtlich mit einem künftigen Update nachgereicht wird.
Ungewöhnlicherweise fange ich mal unten an. Neben dem Oversampling gibt es auch einen Mix-Regler, den ich gerade bei so einem Plug-in wichtig finde. Alternativ lässt sich uberbass als Send-Effekt einsetzen, dann mit Mix auf 100 %.
Übermächtig präsentiert sich der Boost-Regler in der Mitte. Er ist kein einfacher Mix-Regler (der sitzt ja unten), sondern steuert im Hintergrund zahlreiche weitere Parameter und verändert teilweise sogar das Dry-Signal.
Für den Praxistest habe ich sechs Beispiele vorbereitet:
- Musik
- Waffen
- Drums
- Piano
- Voice-Over-Stimme
- Gitarre
Ich fange mit der Musik an und lege uberbass mit den Default-Settings auf die komplette Summe. Im orchestralen Track spielen im Bassbereich lediglich Kontrabass und Pauke, zusätzliche Synthi-Bässe gibt es nicht. Sobald ich uberbass einschalte, ist ein fetter Bass da, der noch etwas zu präsent ist. Also reduziere ich Mix auf 35 %. Jetzt fällt der Effekt vor allem dann auf, wenn ich das Plug-in ausschalte.
Interessant wird es, wenn ich Boost auf 0 % stelle, Mix aber auf 100 %. Ich höre nur noch den erzeugten Bass, dessen Sound durch alle anderen Parameter beeinflusst wird. Ich gehe wieder zurück auf meine Settings Mix 35 % und Boost 55 %. Nun ballere ich Boost auf 110 %. Damit ich den Sound-Unterschied wirklich vergleichen kann, nutze ich in Nuendo die A/B-Vergleichsfunktion, mit der ich zwischen zwei Plug-in-Settings wechseln kann. Auf a kommt mein erstes Settings, auf b das zweite Setting mit Boost auf 110 % und dafür Mix auf 8 %. Der Sound ist ähnlich, allerdings scheint der erzeugte Bass länger auszuklingen. In meinem Fall bleibe ich bei Version a, weil sie für meinen Geschmack musikalischer klingt und keinen Bassteppich erzeugt.
uberbass erzeugt harmonische Subbässe rund um eine einstellbare Frequenz. Ein bekannter Trick von Alan Meyerson (davon gibt es einige): RBass von Waves einsetzen und die Frequenz auf 42 Hz stellen. Das ist hier auch machbar und klingt fantastisch (das Default-Setting liegt mit 40 Hz schon nah dran).
Natürlich kann man die passende Frequenz ausprobieren oder man stellt einen Ton ein (E0 bis B2). Das ist praktisch, damit lässt sich das Plug-in z. B. auf die Tonart anpassen. Wenn man Boost auf 0 % und Mix auf 100 % stellt, ist das auch gut hörbar.
Wer die Bass-Frequenz noch stärker betonen möchte, erhöht einfach den Q-Factor. Bei einem Schuss höre ich als Grundton ein b (a#), also stelle ich Freq auf A#1 und erhöhe den Q-Factor. Der Unterschied ist besonders dann hörbar, wenn Boost nicht auf Maximum steht.
Als Nächstes kommt das Gate zum Einsatz, das ich direkt an einem Drumkit ausprobiere. Stelle ich den Threshold auf den niedrigsten Wert -60 dB, schwingt der erzeugte Subbass noch lange nach, sodass der komplette Raum viel basslastiger wird. Ich möchte aber nur die Kick anfetten und stelle den Threshold auf -13 dB, Release auf 38 ms und Ratio auf 4:1. Ein Subharmonic-Generator mit integriertem Gate ist mir bisher nicht begegnet. Hier lohnt es sich auf jeden Fall.
Als Nächstes bearbeite ich den Gentleman von Native Instruments mit uberbass. Dieses Upright-Piano ist nicht gerade bekannt für dicke Bässe. Obwohl ich die Frequenz auf 40 Hz setze und den Low Cut auf 125 Hz (also deutlich höher als die Grundfrequenz), klingt das Klavier viel wärmer und wenn ich uberbass ausschalte, habe ich das Gefühl, das Original sei mit einem Smartphone aufgenommen worden.
Auch Stimme kann noch voluminöser klingen. Dafür nehme ich ein Voice-Over aus einer Planetariumsproduktion. Es muss ja nicht immer gleich eine Monsterstimme sein. Laut Handbuch regelt Intensity die Stärke des Effekts. Im Zusammenspiel mit Boost und Mix konnte ich den Unterschied im Test allerdings nicht eindeutig heraushören.
Selbst mit subtilen Einstellungen bekommt die Stimme einen natürlichen Bass, eine schöne Wärme, die vor allem dann auffällt, wenn man das Plug-in deaktiviert. Wie bei Excitern oder beim generellen Anheben der Höhen liegt die Gefahr hier im Suchtfaktor.
Meinen letzten Versuch unternehme ich mit einer cleanen E-Gitarre. Der Drive-Regler arbeitet selbst in der Maximalstellung und auf x2 noch relativ subtil. Eine richtige Verzerrung oder Saturation ist eher nicht zu erwarten, sondern lediglich etwas Drive. Das Signal wird dadurch etwas lauter, ist aber kein Soundmacher.
Bei der Gitarre dachte ich: „Was soll da schon an Bass herauszuholen sein?“ Da habe ich mich getäuscht, denn das Signal klingt jetzt wesentlich satter.
uberbass im Videotest
View: https://youtu.be/8kvUSLAkku8
Fazit
uberbass ist nicht nur im Sounddesign nützlich, sondern auch in der Musikproduktion: auf einzelnen Instrumenten, auf Bussen oder sogar auf der Summe. Das Gate ist sinnvoll für kurze Subbässe und neben dem LowEnder (Refuse Software) wird uberbass sicher ein Lieblings-Plug-in für den LFE-Kanal in Film- und Dolby-Atmos-Mischungen werden. So ziemlich jeder Sound kann etwas hinzugewinnen und klingt ohne uberbass auf einmal leer. Und hier liegt die Suchtgefahr, plötzlich alles damit zu bearbeiten. Wer uberbass gezielt auf wenige Sounds legt und den Effekt teils nur subtil hinzufährt, kann noch einen draufsetzen und umso mehr Eindruck schinden. Am besten selbst ausprobieren: Eine Testversion läuft zwei Wochen.
Hersteller: boomlibrary
Format: VST3, AU, AAX
Preis: 99 € (Early-Bird-Preis 79,20 €) zzgl. MwSt.