Drei Delays und ein Effektlabor
Es gibt einige Standard-Effekte, die immer wieder neu aufgelegt werden: Compressor, EQ, Reverb, Delay. Da muss man sich schon etwas einfallen lassen, damit das Produkt hervorsticht.
Q4ntum hat sich gewissermaßen durch die Hintertür angeschlichen: Dieses Delay wurde zuerst im Synthesizer Avenger von Vengeance Sound veröffentlicht, und schnell wollte die Community dieses Tool auch als eigenständiges Plug-In nutzen. Programmierer Mirko Ruta erhörte den Wunsch, und nun kommt man in den Genuss eines eigenständigen Plug-Ins mit größerem Interface.
Wie aber will sich Q4ntum von anderen Delays abheben? Es gibt drei unabhängige Delays, die parallel oder seriell geschaltet werden können, und jedes Delay hat drei Effekt-Slots, die sich per Trancegate oder Hüllkurve modulieren lassen.
Erhältlich ist Q4ntum in den Formaten VST3, AU und AAX.
Einfacher Anfang
In Serum lade ich mir einen Pluck-Sound und öffne Q4ntum.
Ich höre ein einfaches 1/8-Delay.
Bevor ich tiefer einsteige, skippe ich durch einige der 500 Presets. Sie zeigen, was möglich ist. Die Bandbreite reicht von einfachen Delays bis zu kompletten Klangveränderungen, einige gehen in Richtung Lo-Fi, andere stottern und tanzen munter herum. Mit einem Bass und einer Kick dazu machen die Presets gleich noch mehr Spaß.
Praktisch ist, dass es auch ein Default-Preset gibt.
In der oberen Leiste sind die drei Delays zu sehen, die sich jeweils separat aktivieren lassen. Dahinter folgt ein Master-Bereich, den wir uns später genauer ansehen.
Auf der rechten Seite lässt sich jedes Delay in das nächste schicken. So sind serielle und parallele Schaltungen möglich.
Im Detail
Bei den Feedback-Settings stehen drei Modi zur Wahl:
- Normal
- Ping-Pong
- Cross
Die Regler für Feedback und Input sind selbsterklärend und ‚handelsüblich‘.
Bei den Delayzeiten gibt es zunächst das Übliche: normal, punktiert und triolisch. Dazu kommen ungerade Sechzehntelwerte, was ich für eine ziemlich coole Idee halte. Einfach mal 5/16 einstellen, und schon wird das Ganze deutlich unvorhersehbarer. Bei FX Only wird das Signal am Delay vorbeigeleitet, sodass man nur die drei Effekt-Slots nutzt.
Der Feedback-Filter bietet nicht nur, wie meist üblich, einen Low- und Highpass-Filter, sondern mit Ghost Q auch die Möglichkeit, Resonanzen an der Cutoff-Frequenz zu verstärken. Das kann den Klang zusätzlich färben.
Wer etwas mehr Leben in der Bude möchte, verlängert mit Drift die Delayzeit ein wenig. Das Signal läuft dann nicht mehr exakt im Timing, sondern zunehmend laid-back, was hervorragend zu einem Tape-Delay passt. Mit L/R Offset lässt sich der linke oder rechte Kanal zusätzlich verzögern, was das Stereobild verbreitert. Gerade im Feedback-Modus Normal ist das ideal, wenn man etwas Breite zaubern möchte, aber nicht gleich Ping-Pong braucht. Das Vibrato unterstreicht den Tape-Charakter.
Die Auswahl an Effekten ist reichlich:
- Gain, Pan
- Filter (Lowpass, Highpass, Peak, Bandpass)
- Modulation (Chorus, Dimension, Phaser, Flanger, Freq Mod, Ring Mod)
- Distortion (Ratio Hard, Ratio Soft, Bit Depth, Dissolver, Drive)
- Pitch (Pitcher, Octaver, Tape Stop)
- Time (Slow Motion, Stutter, Time Jump, Reverse)
- Control (Kill Delay, Kill Reverb, Kill Both)
Es macht richtig Spaß, die Effekte ganz ohne Delay auszuprobieren. Allein das sind drei Multi-Effekte, und wenn wir das Delay hinzunehmen, sind wir bei vier Effekten. Könnte das der Grund für den Namen Q4ntum sein? (Ironie aus)
Mir gefällt, dass jeder Effekt vor oder hinter das Delay geschaltet werden kann. Die Funktion der beiden Drehregler im FX-Slot ändert sich je nach Effekt. Speed und Run Mode werden erst bei der Modulation relevant.
Der Hauptparameter des Effektes wird durch das Trancegate moduliert. Welcher Parameter das ist, wird leider nirgends angezeigt, man muss es erraten oder ausprobieren. Das Trancegate bietet bis zu acht Steps. Beim Pitcher legt das Trancegate zum Beispiel die Verstimmung in Halbtönen fest (Cents hätten mir noch besser gefallen).
Die Geschwindigkeit reicht von einem Takt bis zu 1/32, jeweils wieder normal, punktiert oder triolisch. Für die Reihenfolge der Steps gibt es sechs Modi:
- Forward
- Reverse
- Ping-Pong
- Shuffle 1
- Shuffle 2
- Random
Statt des Trancegates kann auch eine Hüllkurve modulieren, die sich wirklich einfach editieren lässt. Trancegates und Hüllkurven lassen sich übrigens kopieren.
Alle drei Delays sind identisch aufgebaut, sodass man sich schnell zurechtfindet. Auch die vier Bereiche (Delay 1 bis 3 und Master) lassen sich per Rechtsklick kopieren.
Zusammengeführt wird alles im Master-Bereich.
Manchmal braucht ein Delay noch etwas Hall. Hier gibt es nur ein Reverb, dessen Länge eingestellt werden kann. Zum Glück wird nicht pauschal die Summe aller drei Delays in den Hall geschickt, sondern der Send lässt sich für jedes Delay separat einstellen. Wunderbar: So schicke ich zum Beispiel das 1/4-Delay in das Reverb, während Stutter-Delays trocken bleiben.
Auch ein Pre-Delay ist vorhanden, es lässt sich allerdings nur in Notenwerten und nicht in Millisekunden einstellen. Erfreulich: Auch das Reverb besitzt einen Low- und Highpass-Filter.
Damit das Endsignal genug Durchsetzungskraft hat, kann der Maximizer alles noch mal ordentlich plattdrücken. Dabei handelt es sich offenbar um einen Limiter, dessen Regelverhalten sich mit Speed beeinflussen lässt.
Im Modifier gibt es zunächst eine Sidechain-Funktion, die das Effektsignal von Q4ntum duckt, sobald das Originalsignal anliegt. Das Delay ist dadurch erst richtig hörbar, wenn das Original verklungen ist, und die Mischung wird nicht zugematscht. Gefreut hätte ich mich zusätzlich über einen externen Sidechain-Eingang, über den zum Beispiel eine Kick das Delay ducken könnte.
Auch auf der Summe lässt sich ein Offset zwischen linkem und rechtem Kanal nutzen, und das Vibrato ist hier ebenfalls am Start.
Nach Reverb, Maximizer und Modifier durchläuft das Signal wieder drei Effekt-Slots, die dieselben Effekte bieten wie die Slots in den Delays.
Anders als die Delays lässt sich die Master-Kette über die obere Leiste leider nicht ein- und ausschalten.
Angenehm ist, dass sich in der oberen Leiste per Pfeiltasten das nächste oder vorherige Preset anwählen lässt. Daneben gibt es den Zufallsgenerator, der sehr praktisch ist, wenn man von den Möglichkeiten erschlagen wird, aber kein Preset nutzen möchte. Ein Klick, und schon öffnet sich eine neue Welt, oft ein guter Ausgangspunkt.
Sogar an eine Undo-Funktion wurde gedacht, die mehrere Schritte zurückgehen kann. Das ist bei Plug-Ins längst nicht selbstverständlich.
Vengeance Q4ntum im Video-Test
View: https://youtu.be/xSlHN0XUqog
Fazit
Q4ntum ist nicht nur ein Delay, sondern bietet drei unabhängige Effekt-Engines, die jeweils vier Effekte beinhalten können. Die Summe kann mit Reverb, Maximizer und drei weiteren Effekt-Slots veredelt werden. Es macht Spaß, ein simples Signal durch die 500 Presets zu jagen, und oft möchte ich das Plug-In nicht mehr ausschalten, denn mit dem Effekt ist es einfach schöner. Der Zufallsgenerator liefert über die mitgelieferten Presets hinaus unendlich viele weitere Klangideen.
Ich habe nur wenige Wünsche. Toll ist, dass der Effekt aus dem Avenger heraus den Weg in die große Welt geschafft hat und die neuen Funktionen mittlerweile auch in die Avenger-Version von Q4ntum eingeflossen sind. Beide Versionen sind dadurch kompatibel, Presets lassen sich untereinander austauschen. Eine Trial-Version gibt es nicht, aber es lohnt, sich das Plug-In näher anzusehen. Mir hat Q4ntum viel Freude gemacht, denn es geht weit über ein übliches Delay hinaus.
Hersteller: Vengeance Sound
Format: VST3, AU, AAX
Preis: 89 €
Q4ntum hat sich gewissermaßen durch die Hintertür angeschlichen: Dieses Delay wurde zuerst im Synthesizer Avenger von Vengeance Sound veröffentlicht, und schnell wollte die Community dieses Tool auch als eigenständiges Plug-In nutzen. Programmierer Mirko Ruta erhörte den Wunsch, und nun kommt man in den Genuss eines eigenständigen Plug-Ins mit größerem Interface.
Wie aber will sich Q4ntum von anderen Delays abheben? Es gibt drei unabhängige Delays, die parallel oder seriell geschaltet werden können, und jedes Delay hat drei Effekt-Slots, die sich per Trancegate oder Hüllkurve modulieren lassen.
Erhältlich ist Q4ntum in den Formaten VST3, AU und AAX.
Einfacher Anfang
In Serum lade ich mir einen Pluck-Sound und öffne Q4ntum.
Ich höre ein einfaches 1/8-Delay.
Bevor ich tiefer einsteige, skippe ich durch einige der 500 Presets. Sie zeigen, was möglich ist. Die Bandbreite reicht von einfachen Delays bis zu kompletten Klangveränderungen, einige gehen in Richtung Lo-Fi, andere stottern und tanzen munter herum. Mit einem Bass und einer Kick dazu machen die Presets gleich noch mehr Spaß.
Praktisch ist, dass es auch ein Default-Preset gibt.
In der oberen Leiste sind die drei Delays zu sehen, die sich jeweils separat aktivieren lassen. Dahinter folgt ein Master-Bereich, den wir uns später genauer ansehen.
Auf der rechten Seite lässt sich jedes Delay in das nächste schicken. So sind serielle und parallele Schaltungen möglich.
Im Detail
Bei den Feedback-Settings stehen drei Modi zur Wahl:
- Normal
- Ping-Pong
- Cross
Die Regler für Feedback und Input sind selbsterklärend und ‚handelsüblich‘.
Bei den Delayzeiten gibt es zunächst das Übliche: normal, punktiert und triolisch. Dazu kommen ungerade Sechzehntelwerte, was ich für eine ziemlich coole Idee halte. Einfach mal 5/16 einstellen, und schon wird das Ganze deutlich unvorhersehbarer. Bei FX Only wird das Signal am Delay vorbeigeleitet, sodass man nur die drei Effekt-Slots nutzt.
Der Feedback-Filter bietet nicht nur, wie meist üblich, einen Low- und Highpass-Filter, sondern mit Ghost Q auch die Möglichkeit, Resonanzen an der Cutoff-Frequenz zu verstärken. Das kann den Klang zusätzlich färben.
Wer etwas mehr Leben in der Bude möchte, verlängert mit Drift die Delayzeit ein wenig. Das Signal läuft dann nicht mehr exakt im Timing, sondern zunehmend laid-back, was hervorragend zu einem Tape-Delay passt. Mit L/R Offset lässt sich der linke oder rechte Kanal zusätzlich verzögern, was das Stereobild verbreitert. Gerade im Feedback-Modus Normal ist das ideal, wenn man etwas Breite zaubern möchte, aber nicht gleich Ping-Pong braucht. Das Vibrato unterstreicht den Tape-Charakter.
Die Auswahl an Effekten ist reichlich:
- Gain, Pan
- Filter (Lowpass, Highpass, Peak, Bandpass)
- Modulation (Chorus, Dimension, Phaser, Flanger, Freq Mod, Ring Mod)
- Distortion (Ratio Hard, Ratio Soft, Bit Depth, Dissolver, Drive)
- Pitch (Pitcher, Octaver, Tape Stop)
- Time (Slow Motion, Stutter, Time Jump, Reverse)
- Control (Kill Delay, Kill Reverb, Kill Both)
Es macht richtig Spaß, die Effekte ganz ohne Delay auszuprobieren. Allein das sind drei Multi-Effekte, und wenn wir das Delay hinzunehmen, sind wir bei vier Effekten. Könnte das der Grund für den Namen Q4ntum sein? (Ironie aus)
Mir gefällt, dass jeder Effekt vor oder hinter das Delay geschaltet werden kann. Die Funktion der beiden Drehregler im FX-Slot ändert sich je nach Effekt. Speed und Run Mode werden erst bei der Modulation relevant.
Der Hauptparameter des Effektes wird durch das Trancegate moduliert. Welcher Parameter das ist, wird leider nirgends angezeigt, man muss es erraten oder ausprobieren. Das Trancegate bietet bis zu acht Steps. Beim Pitcher legt das Trancegate zum Beispiel die Verstimmung in Halbtönen fest (Cents hätten mir noch besser gefallen).
Die Geschwindigkeit reicht von einem Takt bis zu 1/32, jeweils wieder normal, punktiert oder triolisch. Für die Reihenfolge der Steps gibt es sechs Modi:
- Forward
- Reverse
- Ping-Pong
- Shuffle 1
- Shuffle 2
- Random
Statt des Trancegates kann auch eine Hüllkurve modulieren, die sich wirklich einfach editieren lässt. Trancegates und Hüllkurven lassen sich übrigens kopieren.
Alle drei Delays sind identisch aufgebaut, sodass man sich schnell zurechtfindet. Auch die vier Bereiche (Delay 1 bis 3 und Master) lassen sich per Rechtsklick kopieren.
Zusammengeführt wird alles im Master-Bereich.
Manchmal braucht ein Delay noch etwas Hall. Hier gibt es nur ein Reverb, dessen Länge eingestellt werden kann. Zum Glück wird nicht pauschal die Summe aller drei Delays in den Hall geschickt, sondern der Send lässt sich für jedes Delay separat einstellen. Wunderbar: So schicke ich zum Beispiel das 1/4-Delay in das Reverb, während Stutter-Delays trocken bleiben.
Auch ein Pre-Delay ist vorhanden, es lässt sich allerdings nur in Notenwerten und nicht in Millisekunden einstellen. Erfreulich: Auch das Reverb besitzt einen Low- und Highpass-Filter.
Damit das Endsignal genug Durchsetzungskraft hat, kann der Maximizer alles noch mal ordentlich plattdrücken. Dabei handelt es sich offenbar um einen Limiter, dessen Regelverhalten sich mit Speed beeinflussen lässt.
Im Modifier gibt es zunächst eine Sidechain-Funktion, die das Effektsignal von Q4ntum duckt, sobald das Originalsignal anliegt. Das Delay ist dadurch erst richtig hörbar, wenn das Original verklungen ist, und die Mischung wird nicht zugematscht. Gefreut hätte ich mich zusätzlich über einen externen Sidechain-Eingang, über den zum Beispiel eine Kick das Delay ducken könnte.
Auch auf der Summe lässt sich ein Offset zwischen linkem und rechtem Kanal nutzen, und das Vibrato ist hier ebenfalls am Start.
Nach Reverb, Maximizer und Modifier durchläuft das Signal wieder drei Effekt-Slots, die dieselben Effekte bieten wie die Slots in den Delays.
Anders als die Delays lässt sich die Master-Kette über die obere Leiste leider nicht ein- und ausschalten.
Angenehm ist, dass sich in der oberen Leiste per Pfeiltasten das nächste oder vorherige Preset anwählen lässt. Daneben gibt es den Zufallsgenerator, der sehr praktisch ist, wenn man von den Möglichkeiten erschlagen wird, aber kein Preset nutzen möchte. Ein Klick, und schon öffnet sich eine neue Welt, oft ein guter Ausgangspunkt.
Sogar an eine Undo-Funktion wurde gedacht, die mehrere Schritte zurückgehen kann. Das ist bei Plug-Ins längst nicht selbstverständlich.
Vengeance Q4ntum im Video-Test
View: https://youtu.be/xSlHN0XUqog
Fazit
Q4ntum ist nicht nur ein Delay, sondern bietet drei unabhängige Effekt-Engines, die jeweils vier Effekte beinhalten können. Die Summe kann mit Reverb, Maximizer und drei weiteren Effekt-Slots veredelt werden. Es macht Spaß, ein simples Signal durch die 500 Presets zu jagen, und oft möchte ich das Plug-In nicht mehr ausschalten, denn mit dem Effekt ist es einfach schöner. Der Zufallsgenerator liefert über die mitgelieferten Presets hinaus unendlich viele weitere Klangideen.
Ich habe nur wenige Wünsche. Toll ist, dass der Effekt aus dem Avenger heraus den Weg in die große Welt geschafft hat und die neuen Funktionen mittlerweile auch in die Avenger-Version von Q4ntum eingeflossen sind. Beide Versionen sind dadurch kompatibel, Presets lassen sich untereinander austauschen. Eine Trial-Version gibt es nicht, aber es lohnt, sich das Plug-In näher anzusehen. Mir hat Q4ntum viel Freude gemacht, denn es geht weit über ein übliches Delay hinaus.
Hersteller: Vengeance Sound
Format: VST3, AU, AAX
Preis: 89 €
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