Testberichte Sonicware deconstruct MINIMAL

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Groovebox mit Kreativpotential

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Eigentlich hatte ich die Zeit der Grooveboxen hinter mir gelassen. Seit die erste NI Maschine vor knapp 16 Jahren Einzug in mein Studio gehalten hat, bin ich halt extrem verwöhnt. Es hatte eine Zeit lang gedauert, bis ich endlich kapiert hatte, dass ich mit den Elektrons nie warm werde. RM1x, Electribe MX, MC-303 und MC-505 waren lange hier, mussten dann aber doch irgendwann gehen. Wäre da nicht mein Sohn, der gerne auch ab und an Musik macht und in technoiden Gefilden musikalisch zu Hause ist. Er ist, wie viele junge wie alte Musiker immer auf der Suche nach bezahlbaren, mobilen und gut-klingenden Tools, die eben ohne Notebook oder Tablet auskommen. Die Demos zur Sonicware deconstruct MINIMAL (weiblich, weil ist eine Groovebox) klangen zudem äußerst vielversprechend. Also das Teil einfach mal geordert um zu sehen was geht, Alter!

Sonicware ist ein japanisches Unternehmen, das sich auf handliche Grooveboxen unterschiedlichster Couleur spezialisiert hat. Bekannt ist die Liven-Serie mit dem Lofi-12, Bass & Beats, Evoke oder Ambient. Hier liegen die Preise zwischen 200 und 300€. Etwas teurer, also zwischen 400 und 500€ sind die Sondermodelle der XT-Serie, die zudem einen anderen Formfaktor aufweisen. Wer mehr erfahren möchte, kann sich z.B. im Thomann Shop etwas schlauer machen: https://www.thomann.de/de/sonicware_grooveboxen.html*

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Der „normale“ Sonicware-Formfaktor beträgt ~30 x 18cm mit einer Bauhöhe von knapp 5cm. Das gilt auch für die hier getestete Sonicware deconstruct MINIMAL. Somit sind die Boxen etwas kleiner als ein A4 Blatt. Der Vollständigkeit halber: Sonicware deconstruct MINIMAL, ab jetzt SDM genannt, ist nicht Teil der Liven-Serie. Und: Die SDM kostet aktuell 299€. Das sollte man bei all dem, was jetzt folgt, bedenken.

Streifzug durch die Werkspresets



Die Sonicware deconstruct MINIMAL ist eine handliche, aber nicht zu kleine Groovebox. Das Gerät ist recht leicht, steht aber bombenfest auf 4 Gummifüßen. Alles ist zu 100% aus Plastik, also auch das Panel. Ich habe mal etwas beherzter zugepackt: Nichts verbiegt sich oder knarzt. Also alles im grünen Bereich. Die weiße Beschriftung auf schwarzem Untergrund ist gut ablesbar. Jegliche LEDs leuchten angenehm hell und sind gut erkennbar. So weit, so gut.

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Die LEDs der 11 Spuren zeigen die Belegung der Instrumentengruppen in unterschiedlichen Farben an. Gemutete Tracks leuchten Gelb, ge-solo-te in Rot, gesetzte in Weiß, akzentuierte in Orange, Slides in Grün usw. Lauflicht und im Takt blinkende LEDs sind usus. Das erleichtert die Übersicht massiv. Gut gemacht. Das 6x 12-Segment-LED-Display tut, was es soll und an die teils kryptischen Abkürzungen hat man sich schnell gewöhnt.

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Zurück zur Hardware: Selbst die großen Potis sind recht klein geraten, funktionieren aber gut. Nur der Value- und Tempo-Knopf, beide Endless-Encoder, drehen sich manchmal etwas hakelig. Die Minipotis erinnern mich an die Monotrons von Korg, und ich kann auch damit sehr gut leben. Mir persönlich ist es lieber viele und dafür kleine Potis zu haben, als weniger und große die dann komplizierte Shift-Orgien oder Menu-diving erforderlich machen würden. Viele und Große wären natürlich noch besser... Allerdings stört es mich, dass der Master-Volume-Knopf der SDM eines dieser Winzig-Potis ist. Hier hätte man ein anderes Plätzchen mit großen Poti reservieren sollen.

In den 90ern und 00ern wäre dieses Gerät mindestens 4 mal so groß (und so teuer) gewesen und hätte funktional weniger „gekonnt“… Punkt. In Anbetracht der Gehäusegröße hat Sonicware richtig viele Taster und Potis aufs Panel gepackt. In Summe 14 große Potis, 16 Mini-Potis, 62 Taster. Die Taster haben einen recht leichten Druckpunkt und sind, bis auf die Keyboard-Taster, zum größten Teil farblich hintergrundbeleuchtet. Die Tasten bedienen sich sehr leise. Das ist bei den meisten Elektrons anders, und dieses aufdringliche Rumgeklicke der Tasten hat mich immer extrem genervt. Bei der SDM ist das anders und darüber freue ich mich. Das rudimentäre Keyboard spielt sich unerwartet gut. Anschlagdynamik oder gar Aftertouch gibt es nicht.

Beim ersten Anblick hätte nicht gedacht, dass ich trotz dieser Kompaktheit so schnell, so viel Spaß mit dem Maschinchen haben werde. Vielleicht muss ich meine Einstellung zu anderen Synths mit sehr kleinen Panels, z.B. Roland Boutique, nochmal überdenken.

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Alle Anschlüsse sind nur von oben zugänglich. Ich persönlich habe es lieber, wenn die Strippen irgendwo anders und am liebsten unsichtbar das Gerät verlassen. Ich verstehe aber das Konzept von Sonicware, alles von oben zugänglich zu machen. Gerade bei komplexeren Setups aus mehreren Boxen spart man so viel Platz zum benachbarten Gerät, was die ganze Sache wesentlich übersichtlicher gestaltet. Somit kann ich mit diesem Manko leben. Wo wir bei den Anschlüssen sind: 9V Netzteil-Buchse, MIDI-Sync In/Out, USB-C, Line In und Out und Kopfhörer. Alle Line- sowie MIDI-Buchsen sind als 3,5mm Klinke ausgeführt. Bei diesem Formfaktor ist das zu verschmerzen.

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Die Stromversorgung kann via Netzteil oder mit 6 AA-Batterien erfolgen. Power over USB funktioniert nicht, was extrem schade ist. Dickes Minus. Ein Netzteil ist nicht Teil des Lieferumfangs. Dankenswerter Weise hat mir der Distributeur gleich eins mitgeschickt. Vielen Dank dafür! USB-Kabel und MIDI-Kabel-Peitschen müssen auch separat erworben werden. Im Gehäuse ist ein kleiner aber erstaunlich „gut“ klingender Speaker verbaut. Nice to have. Es liegt ein Blatt mit Shortcuts bei.


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Das große Manual gibt es als PDF-Download in englischer Sprache auf der Website des Herstellers. Das Manual ist sehr gut strukturiert und anschaulich verfasst. Es hilft wirklich weiter. Und das ist heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich. Auch an einen Power-Knopf wurde gedacht. Er muss ein paar Sekunden gedrückt werden, so dass es im Livebetrieb nicht zu ungewollten Ausfällen kommen kann. Die SDM schaltet sich werksseitig bei Untätigkeit nach 20 Minuten selbst ab. Dieses Verhalten kann man ihr aber austreiben.


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Konzept

Das grundsätzliche Konzept der SDM muss man zunächst verinnerlicht haben, bevor man das Panel verstehen kann: Es gibt 11 Slots. Slot 1 bis 6 sind Percussions (BD1, BD2, SD, CP, CH, OH) die alle unterschiedliche, rudimentäre Modelle, ähnlich der Roland TR-8s/Digitakt, beinhalten. Der Sound eines gewählten Percussions lässt sich nach den eigenen Wünschen, aber gewissen Grenzen formen.

Kickdrum formen


909 Kick formen plus Effekte


Die Slots 7 bis 9 lassen sich mit eigenen Samples füllen. Bei Samples greift allerdings eine andere Nachbearbeitung (Tuning, Startpunkt, Filter, AR-Hüllkurve). Slot 10 ist für einen 8-Sekunden-Loop inklusive Timestretching reserviert. Der 11te Slot ist ein VA-Bass im Stile der TB-303. Gesteuert werden die 11 Spuren über den internen Sequenzer.

Pro Spur kann ein Sound einstimmig gespielt werden. Somit ist die SDM summa summarum 11-stimmig. Es lassen sich keine Kanäle zusammen fassen um z.B. einen identischen Sound mehrstimmig zu spielen.

Ich habe überlegt ob es an dieser Stelle Sinn macht ein vollständiges Tutorial zur SDM zu schreiben. Antwort: Nein, das tut es nicht. Zum einen können Videos das viel besser. Zum Beispiel das hier:


View: https://www.youtube.com/watch?v=amOqkdTDbT8

Zum anderen kommen in vielen Tutorials die mir persönlich viel wichtigeren Aspekte zu kurz: Wie klingt das Ganze? Wie schlägt sich der Workflow in der Praxis, Thema Spaßfaktor? Was geht nicht? usw. Und auf eben diese Aspekte werde ich mich nun konzentrieren.

Wer nur ein paar Minuten mit der SDM verbringt, der wird ganz schnell merken, dass man hier ein echtes Instrument vor sich stehen hat. Ich bin einer der Musiker, bei denen sich 99% der Funktionen, auch eines komplexen Gerätes wie der SDM, intuitiv erschließen müssen, damit ich es langfristig in mein Herz schließen kann. Die SDM ist eines dieser Geräte. Das fehlende 1% war ganz schnell verstanden. Danke an das YouTube-Video von ChrisLody. Die Lernkurve ist für halbwegs erfahrene Anwender recht steil.

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Also erst mal ein leeres Pattern geladen. Es gibt 8 Bänke mit je 16 Pattern. Nur die ersten 8 sind mit Demos vorbelegt. Hier hätte ich etwas mehr „Inspiration“ out of the Box erwartet. Aber nun gut. Jedes Pattern verfügt über 4 Variationen mit je 16 Steps. Die 4 Variationen können miteinander verkettet werden, was dann Loops mit 64 Steps möglich macht. Das Umschalten von Pattern erfolgt ohne Unterbrechung. Auch Pattern lassen sich miteinander verketten. Somit sind theoretisch auch komplexe Songs möglich. Ob das allerdings der Sinn der SDM ist, wage ich zu bezweifeln. Ich denke die SDM soll in erster Linie eine Groovebox sein mit der man live improvisiert, Ideen sammelt und dabei ein oder ein paar mehr Pattern verwendet. Denn das kann sie richtig gut.

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Jeder der 11 Slots sendet und empfängt dabei MIDI-Noten inklusive Controllerdaten. Somit kann man eine Session in der DAW aufzeichnen, nachbearbeiten und wieder an die SDM zwecks Aufnahme zurückschicken. Will man einen externen Synth ansteuern, so muss man einen Slot „opfern“. Vielleicht ermöglicht ein zukünftiges Update die freien Kanäle 12-16 als zusätzliche externe Sequenzer-Spuren zu nutzen. Wäre cool. Ich bin Newbie bei Sonicware und kenne deren Update-Politik nicht.

Zudem, aber das finde ich überaus wichtig, ist die SDM ein ziemlich cooler Sequenzer für externes Gear und die DAW. Und das gilt für Perkussionen wie für Instrumente. Allerdings sind alle Sequenzen monophon. Auch als rudimentärer MIDI-Control und Mini-Keyboard für unterwegs kann die Groovebox fungieren.

Über USB wird neben MIDI auch Stereo-Audio bidirektional übertragen. Das heißt, die SDM kann ein eingehendes Audiosignal via Line oder USB sampeln. Cool. Auch in Richtung PC lässt sich Audio aus der SDM schicken. Das Signal klingt über die Kopfhörerbuchse der SDM transparent und klar.

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Die Aufnahme innerhalb der SDM kann wahlweise im Step, Grid oder live erfolgen. Toll! Bei den Drums setzt man im 16tel Grid nach alter 909-Manier die Steps. Pro Spur gibt es Accent und Glide. Auch cool. Jede Spur ist tonal spielbar und das gilt somit auch für Drums. Herrlich. Zu jedem Step können auch Radgets/Triplets (10 Varianten) gesetzt werden. Jegliche Aufnahme funktioniert natürlich auch während der Sequenzer läuft. Record-Taste drücken und schon kann man mit dem Keyboard zusätzliche Noten hinzu spielen/drüberspielen oder im 16tel Grid setzen. Dabei kommt die SDM nie aus dem Tritt. Drückt man die Taste mit dem Keybed, so spielt man die zuletzt angewählte Spur tonal. So soll das sein und genau so macht das Spaß.

Snare mit allem drum und dran


Auch Parameter Locking geht. Also mal eben etwas Delay auf die letzte Tom geben, ist kein Problem. Gewünschte Taste im Grid drücken und die Regler bewegen. So einfach geht das. Oder die Noten eines Steps tauschen. Auch kein Problem. Jede Note abwechselnd hart rechts, dann hart links pannen. Funktioniert. Oder mal eben jedem Step ein anderes Sample zuordnen. Voila! Das Fehlen der Trig conditions umgeht Sonicware im Ansatz ganz geschickt: Pro Spur gibt es den Random Level, der zumindest zufällig unterschiedliche Velocity-Werte für eine Spur erzeugt. Das Ergebnis klingt lebendig, reicht aber nicht an die Möglichkeiten einer Elektron heran.

Man kann zwar die Länge der Sequenzen ändern um andere Taktmuster zu ermöglichen, was aber dann für alle Spuren gilt. Unterschiedliche Step-Längen pro Spur für Polyrhythm sind mit der SDM (derzeit?) nicht möglich.

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Ich wähle Spur 1 für die BD aus. Via Sound-Knob kann ich aus 22 verschiedenen Kickdrums wählen. Via Tune, Tone, Move (Mod), Attack, Decay forme ich den Sound. Etwas mehr Attack, eine Portion mehr Body, etwas kürzere Ausschwingzeit. Es knallt ganz schön aus meinem Subwoofer. Ich fahre mit den anderen Spuren fort.

Natürlich können auch Kits geladen und gespeichert werden. Hier stehen die üblichen Verdächtigen a lá 808 und 909 zur Verfügung. Ja, es klingt nach Roland, aber irgendwie auch nicht. Es gibt nur 16 Speicherplätze für Kits. Ein Metronom fehlt. Wer dieses braucht, muss sich schnell eins basteln, indem er z.B. ein paar Hihats auf die Viertel setzen.

Streifzug durch die Kits



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Effekte

Kurzer Ausflug in die Welt der Effekte der SDM: Es gibt ein Delay und ein Reverb auf das alle 11 Spuren anteilig gesendet werden können. In den Einstellungen (func- plus BS DRV Taste) lassen sich rudimentäre Einstellungen vornehmem. Während ich mit dem Delay halbwegs zufrieden bin, kann mich das Reverb (Hall, Plate, Room) nicht überzeugen. Es klingt halt statisch und blechern und nach 80ern.

Reverb


Delay plus Reverb


Das Delay kann zum Tempo synchronisiert werden oder frei laufen. Zu viel Feedback endet schnell im Chaos. Also Vorsicht. Auch ein Ping/Pong-Stereo-Mode ist möglich. Zusätzlich verfügt die SDM über einen 3-Band-Killer-EQ in DJ-Manier zum cutten und pushen der Low, Mid und High-Bänder. Er wirkt auf die Spuren 1-10 und lässt somit die Bassmaschine aus. Er klingt ordentlich und tut, was er soll. Zusätzlich gibt es einen Master FX, der grundsätzlich auf alles wirkt. High/Lowpass-Filter, Phaser, Distortion, Looper, Ducker.

MFX Distortion


MFX Filter


Auch die Master-Effekte können mich nicht vollends überzeugen. Der Distortion verwandelt das Signal von Stereo nach Mono. Zudem startet er beim Hinzuschalten nicht bei Null, sondern irgendwo, und das ziemlich leise bei etwa 50% Verzerrung, was echt doof ist. Der Phaser klingt gut, der Looper tut, was er soll. Der Ducker ist interessant. Für die ein oder andere Live-Darbietung sind die Master Effekte aber brauchbare Helfer. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

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Wählt man den Sound einer Spur via Sound-Poti aus, so erhält man auf Spur 1 bis 6 zunächst nur die Modelle der vorbelegten Kategorien (BD, SD, CP, usw.). Dreht man mit dem Value-Poti (!) weiter, so erhält man Zugang zu allen Sounds, also auch zu den eigenen Samples. Somit ist ein Kit nicht zwangsweise an die Vorbelegung des Panels gebunden. Sehr gut.

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Bass-Synth

Der integrierte Bass-Synth ist klar an die TB-303 angelehnt. Er klingt irgendwie ähnlich, aber in Summe etwas digital und halt anders. Er erinnert mich etwas an Rolands TB-3 aus der Aira-Serie. Neben Cutoff und Resonanz verfügt der Bass über die bekannten Envelope-, Decay-, Accent- sowie einen Drive-Regler. Soweit nichts Neues. Ein zusätzlicher Drive gibt dem Ganzen etwas mehr Biss. Zusätzlich lässt sich der Oszillator nicht nur zwischen SAW und Square umschalten. Es stehen mit Tri, RCT und S01 drei weitere OSC-Modelle zur Verfügung. Zusätzlich kann mit dem Tone-Regler ein Sub-Bass (-1,-2, Uni) hinzu geschaltet werden. Klingt gut. Natürlich kann auch der Bass ins Reverb/Delay geschickt und gepannt werden. Und natürlich können alle Parameter pro Step gelockt werden. Toll!

Baseline Session 1



Beim nächsten Beispiel führte der Zufall zu einem unerwartet interessanten Ergebnis:

Baseline Session 2 unerwartet


Jegliche Bewegung der Potis können, wie in den anderen Spuren auch, als Automation aufgezeichnet werden. Aufnahme drücken, drehen und fertig. Hält man die CLR-Taste gedrückt und streicht über die Step-Tasten, so werden aufgezeichnete Automationen gelöscht. Leider werden, wie bei z.B Roland (TR-8s, System 8) auch, die Modulationsdaten in der SDM absolut und pro Step abgespeichert. Will man z.B. im Nachhinein den Cutoff etwas erhöhen, so springt dieser immer auf den Wert der Automation zurück. Das sollte man also bedenken. Ich mag es lieber, wenn eine Automation als Offset gespeichert wird und dann zum eingestellten Wert addiert bzw. subtrahiert wird. Aufgezeichnete Automationen klingen bei der Wiedergabe etwas „steppy“.

Hier ein kleines Klangexperiment, das all die Möglichkeiten in sich vereint. Es beginnt etwas „hölzern, entwickelt sich aber zur Mitte hin weiter:

Klangexperiment



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Ich finde der Bass-Synth klingt ordentlich. Auch als 08/15-Stützbass ohne 303-Charakter macht er eine gute Figur. Mir fehlt es etwas an Attack und Punch. Die Programmierung von Basslinien macht mit der SDM richtig viel Spaß: Entweder Step für Step oder halt live aufnehmen. Nachträglich kann man jede Note ändern sowie Akzente und Glides einfügen. Auch in Realtime lässt sich eine bestehende Aufnahme mit neuen Noten überschreiben. Ich mag das sehr, da immer wieder neue Muster entstehen.

Ein weiteres Highlight: Der Starpunkt einer Sequenz lässt sich auf jeden beliebigen Step verschieben. Ohne groß nachdenken zu müssen hat man unkompliziert Variationen erstellt bzw. schnell eine passende Alternative z.B. zur programmierten Bassline gefunden. Dieses Feature funktioniert auf allen Spuren. Klasse.

Baseline Session 3 Nudgen


Baseline Session 4 Nudgen 2



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Sampling

Kommen wir zum Thema Sampling. Die SDM kann 32 x 2s mono plus 16 x 4s mono plus 12 x 8s stereo Samples speichern. Während ich mit der Gesamtlänge von 224 Sekunden Samplespeicher klarkomme, stören mich die nur 56 Slots. Ich bin es gewohnt aus dem Vollen zu schöpfen, was bei der Suche nach Sounds oft zu interessanten Ergebnissen führen kann. Bei 56 Usersamples wird das nicht einfach. Man muss entweder gut planen oder bereit sein, immer mal wieder die SDM mit dem PC zwecks Datenaustausch zu verbinden. Zu den Sampleslots addieren sich die interne Modell-Klänge (130, wenn ich richtig gezählt habe), die nicht ausgetauscht werden können.

Streifzug durch die Klänge


Man kann direkt in die SDM sampeln oder aber die Files auf das Gerät laden. Dazu hält man beim Einschalten (erzeugt wie das Ausschalten immer ein Knacksen auf dem Kanal) die Taste D für Disk gedrückt. Aus der SDM wird dann ein 40MB-USB-Stick. Auf dem neuen Laufwerk (Windows/Mac) befinden sich Ordner. Im Audio Ordner gibt es dann wider Subverzeichnisse S2, S4, S8. In diesen Ordnern finden sich dann wieder durchnummerierte Ordner. Und in diese Ordner kann man dann seine Samples ziehen und vorhandene Samples löschen. In jedem Ordner darf nur ein Sample (48/16) liegen. Ist das Sample für den Ordner (S2-2s, S4-4s, S8-8s) zu lang, so wird es automatisch beim anschießenden Reboot gekürzt. Hat man ein Sample mit 2,5s Länge und will nicht, dass es abgeschnitten wir, dann muss man es in einen Subordner des S4-Ordners ziehen. Stereo-Samples in Ordner S2 und S4 werden nach Mono konvertiert. Somit ist die Verwaltung nicht unbedingt umständlich, aber man muss vorab planen. Samples einfach via Drag&Drop in einen Ordner der SDM geht nicht. Experiment: Also mal eben alle Samples in der SDM gelöscht. Nach einem Reboot sind der Factory-Content und eigene Samples immer noch da. Hmmm? Ich gebe auf. Es ist, wie es ist.

Auch der Name des Samples wird automatisch auf 4 Zeichen gekürzt, weil mehr kann das Display des SDM nicht anzeigen. Praktisch ist, dass man zum Back-uppen einfach alle Ordner auf den Rechner kopieren kann. Damit sind dann auch Pattern, Kits und Voreinstellungen gesichert. In Summe sind das knapp 40MB. Mehr Daten passen nicht in die SDM. Und das ist für mein Verständnis eines Samplers im Jahr 2026 eindeutig zu wenig.

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Das direkte sampeln in die SDM funktioniert, wie gesagt, via Line-Eingang oder Audiostream via USB. Quelle wählen, Pegel anpassen, Aufnahmelänge wählen, Aufnahme drücken, fertig. Die Aufnahme beginnt auf Wunsch erst, wenn das Eingangssignal einen einstellbaren Schwellwert übersteigt. Jegliches Sample kann rudimentär nachbearbeitet werden. Time- und Pitchshifting funktioniert gut. Im laufenden Betrieb sampeln ist nicht möglich. Startet man das Sampling, so stoppt der Sequenzer.

Hier ein Beispiel, in dem ich einen Brass-Sound aus dem Sequential REV 2 gesampelt und angepasst habe:

One-Shot Samples


Mal eben einen 8-Takte Loop extern aufzeichnen und halbwegs tight innerhalb der SDM loopen ist mir erst nach ein paar Versuchen gelungen. Aber es geht.

Das Timestretching funktioniert. Allerdings schleichen sich schon erste, unangenehme Artefakte ein, wenn der Loop im Original-Tempo abgespielt wird. Senkt oder erhöht man das Tempo des Tracks, dann nehmen diese Artefakte zu. Ab einem Schwellwert (so um die -20BPM und +60BPM) wird der Loop schlagartig schneller oder langsamer. Beim Transponieren auf unterschiedliche Tonhöhen via Variationen entstand das folgende Chaos:

Timestretching und Pitchshifting Probleme

Timestretching und Pitchshifting Probleme.mp3

Hier muss Sonicware nachbessern.



Wie klingt das Ganze?

Zunächst einmal ist das Ausgangsrauschen gering. Der Ausgangspegel ist durchschnittlich laut. Die Kopfhörerbuchse hat ordentlich Wums. Die Drums klingen durchweg sauber und dynamisch und dass ohne jegliche Nachbearbeitung. Die digitale Engine scheint an ein paar Stellen, insbesondere bei den Effekten, durch. Das kann man als Makel oder Charakter bezeichnen. Die Samples klingen sauber. Das Time-Stretching klingt ganz ordentlich. Pitch Shifting funktioniert aber für meine Ohren besser auf der SDM. Der Bass-Synth hat ausreichend Tiefe. Unten rum ist viel los. Der 3-Band EQ könnte in den Höhen für meinen Geschmack etwas mehr Details hervorheben. In Summe klingt die SDM recht kühl und neutral. Und das meine ich positiv. Hi-Fi kann sie in gewissen Grenzen, Analog eher nicht. Mit den richtigen Pannings (Dank an die Parameter-Locks) kann die SDM auch richtig schön breit klingen.

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Alternativen

Eine wirklich preislich vergleichbare Groovebox, also mit Instrumenten, Sampleimport und Bass-Synth, kenne ich nicht. Aber ich versuche es mal: Da wären zum einen die Elektrons, genauer gesagt der Model:Samples für 299€. Er hat mehr Speicher, ein besseres Display aber nur 6 Tracks. Seine Effekte klingen besser, und er ist etwas übersichtlicher gestaltet, hat aber keinen Bass-Synthesizer an Bord. Und direkt in den Model:Samples sampeln geht auch nicht. Dafür versprechen 1GB Speicher und 64 MB Samplespeicher mehr Abwechslung. Das gilt auch für die Roland AIRA Compact T-8 Beat Machine (177€). Die klingt ganz ordentlich und hat ebenfalls einen 303-Clone integriert, kann aber keine Samples und ist halt ein interessantes Spielzeug. Bei allen hier gemachten Vergleichen würde ich die SDM immer bevorzugen.

Der schärfste Konkurrent ist wohl die Korg Electribe, wahlweise in Rot (Sampler 398€) oder Blau (Instrumente 424€). Beide finde ich ausgesprochen hässlich. Wie auch immer. Sie bieten eine höhere Polyphonie, ein großes Display, mehr Speicher und 16 Parts. In die „Red“ passen knapp 1000 Samples. Die Effekte klingen besser und es gibt viel mehr davon. Die Blaue hatte ich vor vielen, vielen Jahren mal für ganz kurze Zeit. Da war sie noch schwarz. Eine echte Empfehlung möchte ich an dieser Stelle wegen mangelnder Expertise nicht aussprechen. Ich denke, dass man mit der SDM schneller zum Ziel kommt. Die SDM bietet mehr direkte Kontrolle und lästiges Menu-Diving, wie bei der Electribe, bleiben einem erspart. Ich sehe die Electribe eher als Produktionstool im Studio und die SDM eher für unterwegs/Bühne. Ist aber nur ein Gefühl.

Sonicware selbst hat mit dem LIVEN Lofi-12 (278€), LIVEN Bass & Beats (269€), LIVEN XFM (269€) und LIVEN 8bit warps unterschiedliche Kandidaten mit unterschiedlichen, klanglichen Schwerpunkten im Angebot. Hier sollte jeder mal selbst vergleichen. Unter https://sonicware.jp/pages/online_manuals findet ihr nicht nur die Manuals, sondern auch ein Video zu jedem Gerät des Sonicware-Portfolios, was Euch einen Vergleich/Übersicht erleichtert. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Geräte (auch LIVEN Evoke oder LIVEN Ambient Ø) hervorragend mit der SDM ergänzen. Mit 2-3 Geräten im Verbund hat man für immer noch sehr wenig Geld noch mehr Möglichkeiten. Und das alles ohne Notebook.


Genre?

Auch wenn Minimal drauf steht, steckt auch House, Techno, Acid, Trance, EDM, Freestyle, Dub und vieles, vieles mehr in der SDM. Alles was elektronisch klingen soll, beherrscht sie und das gut. Bei der richtigen Auswahl eigener Samples spricht eigentlich auch nichts gegen den Einsatz im HipHop und RnB. Nur wenn es richtig schmutzig und laut werden soll, Thema Hardcore, dann muss die SDM passen. Ich denke junge Musiker mit Forscherdrang werden zeigen, was alles in dem Kistchen steckt.


Was noch?

Ich wünsche mir eine Funktion, mit der man selektierte Tracks mal eben nach oben und unten frei transponieren kann. Es soll ja auch noch Musik geben, bei der sich ab und an die Tonhöhe ändert. Die gute alte MC-505 konnte transponieren, und ich habe dieses Feature geliebt.

Hat man ein Pattern modifiziert und will zum Urzustand zurück, so muss man einfach via PTN-Taste das aktuelle Pattern anwählen, und schon ist alles wieder, so wie es war. Cool.

Die SDM lässt sich via MIDI-Clock synchronisieren und läuft tight. In den Systemeinstellungen lassen sich MIDI-Kanäle, Sync-Buchsen, Clock und alles Administrative bequem erledigen. Eine externe App ist dazu nicht notwendig.

Das Tempo kann global oder per Pattern festgelegt werden. Bei Live-Sessions ist das ziemlich praktisch. Ein Tap-Tempo wurde allerdings vergessen.

Thema Groove. Die DSM kann Swing. Zusätzlich kann man den „Feel“ der Groovebox mit drei Voreinstellungen (808, 909 und Hauseigenes) anpassen. Die Veränderungen sind subtil, aber für geschulte Ohren sofort wahrnehmbar. Innerhalb der Spuren können einzelne Steps oder alle zeitlich verschoben werden. Das nennt man dann Microtiming. Mit etwas Erfahrung kann man mit den vorhandenen Werkzeugen innerhalb kürzester Zeit richtig groovige Tracks basteln. Also auch daran wurde gedacht. Hier ein Beispiel; ab der Mitte habe ich es bewusst übertrieben:

Groove&Feel


Pattern können im laufenden Betrieb gespeichert werden.

Via func+Track mutieren die 11 Potis oberhalb der 11 Spuren als Volume-Reglern.

Bei verketteten Varianten A bis D kann man in einem Rutsch über alle Varianten live aufzeichnen.

Man sieht bei der Pattern-Auswahl nicht, ob sich in einem Slot bereits Daten (Tracks) enthalten sind oder nicht. Hier fände ich es prima, wenn man dies farblich anzeigen könnte.

Auch Mute/Solo-Settings werden abgespeichert.

Es ist möglich eine Variante z.B. A direkt und gleichzeitig auf B, C und D zu speichern.

Via func plus Keyboard-Taste der entsprechenden Spur kann man diese unhörbar auswählen.

Eine UNDO-Taste fehlt.


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Fazit

Die Sonicware deconstruct MINIMAL ist eine sehr gut durchdachte, ordentlich gebaute und zudem günstige All-In-One Groovebox mit richtig vielen Features und gutem Klang. So ziemlich alle Parameter liegen im direkten Zugriff. Das Panel ist intelligent-übersichtlich gestaltet und nach kurzer Zeit hat man alles im Griff. Das beschleunigt nicht nur den Workflow sondern auch die Kreativität. Die 6 Tracks für Modelle der Bassdrum, Snare, Clap und Hihats klingen durchweg gut und ermöglichen ein breites Spektrum an bekannten Sounds. Dabei ist alles, aber auch wirklich alles, tonal spielbar. Die 4 Sample-Tracks sorgen für die nötige Abwechslung, seien es Instrumente, Vocals oder sonstige One-Shots. Der zusätzliche 8-Sekunden-Loop-Track feuert auf Wunsch gesyncte Loops ab, kann aber auch für Hintergrund-Atmos verwendet werden. Der Bass-Synthesizer macht viel Spaß und ist zudem flexibler als eine klassische 303. Parameter-Locks und Groove-Tools runden das Bild ab. Somit sind alle nötigen Zutaten, nicht nur für „Minimales“, im Korb. Das Konzept aus Drummachine, Sampler und Bass-Synth wurde somit sehr clever umgesetzt. Chapeau.

Bei den Effekten muss man Abstriche machen. Das Reverb ist OK, hier hatte ich aber im Jahr 2026, auch unter Berücksichtigung des Preises, etwas mehr erwartet. Das gilt auch für die Qualität und Quantität der meisten Mastereffekte. Der DJ-EQ ist nice to have. Power over USB funktioniert leider nicht. Ansonsten hätte ich mir unbedingt mehr Speicher für Samples und Projekte sowie eine einfachere Sampleverwaltung gewünscht. Der mitgelieferte Soundvorrat ist gut gewählt; doch auch hier hätte ich mir etwas mehr Abwechslung (für Industrial, Hardcore) gewünscht. Der markante 303-Bass-Synth drängt einen unbewusst in Richtung Acid-House. Hier muss man standhaft bleiben und einfach die Finger vom Resonanz-Poti lassen.

Mit der Sonicware deconstruct MINIMAL lassen sich, auch unterwegs, Ideen einfangen. Auf der Bühne lässt sich mit ihr gut und mit ausreichend Übung zielsicher live improvisieren. Im Studio kann sie als einfacher, aber cleverer Hardware-Sequenzer für Drums und monophone Sequenzen mit enormen Kreativpotential genutzt werden. Auch als Audiointerface/Midi-Controller/Minikeyboard für unterwegs ist die SDM durchaus geeignet.

Wer sich hier wiederfindet, dem kann ich einen Blick auf die Sonicware deconstruct MINIMAL empfehlen. Achso: Und richtig viel Spaß macht sie auch. Und das ist doch eigentlich die Hauptsache.



Hersteller-Website: https://sonicware.eu/produkt/deconstruct-minimal/

Preis: 299 € zzgl. Netzteil

Thomann: https://www.thomann.de/de/sonicware_deconstruct_minimal.htm*
 
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Interessant, danke für den Testbericht.
 
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Das Teil ist sensationell! Der Testbericht aber auch! Sehr ausführlich und sehr gute viele Sound beispiele! Dankeschön. Das dachte ich ja weil da Minimalismus dort steht ist das nichts für mich, Aber von wegen Minimalismus das Teil ist richtig geil!
 
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