Mehr Härte durch Schärfen der Transienten
boom library hat mit Samples angefangen und daraus einen umfangreichen Soundeffekt-Katalog aufgebaut. Ergänzt wurde das Portfolio nach und nach durch Soundeffekt-Generatoren wie Turbine und Rain sowie durch Plug-ins zur Bearbeitung von Audiomaterial. Das neueste Produkt im Sortiment ist Transforce – ein Plug-in, das Transienten schärfer und den Attack-Charakter druckvoller machen soll. Primär für Soundeffekte gedacht, dürfte es aber auch auf Instrumenten interessante Ergebnisse liefern.
Das PlugIn macht auf den ersten Blick einen sehr aufgeräumten Eindruck. Als Testobjekt nehme ich ein Sample aus der ersten boomlibrary Library ‚Cinematic Metal‘. Dort wurden Sounds mit hochauflösenden Mikrofonen aufgenommen, damit beim langsameren Abspielen keine hohen Frequenzen verloren gehen. Dies wurde mit einer Sampling-Frequenz von 192 kHz bewerkstelligt. Gleichzeitig werden die Samples in unterschiedlichen Pitches angeliefert:
- Original Tonhöhe (p1)
- Halbe Geschwindigkeit (p2)
- Viertel Geschwindigkeit (p3)
Durch die veränderte Geschwindigkeit ändert sich nicht nur der Pitch, sondern auch die Attack bzw. der Transient am Anfang. Den möchte ich wieder zurückgewinnen.
Als Erstes bin ich im Tonal-Mode und kann die Empfindlichkeit der Transienten einstellen. Mit dem Kopfhörer-Symbol kann ich abhören, welches Signal wirklich als Transient erkannt wurde. Zusätzlich kann noch ein Filter aktiviert werden mit Bandpass, Lowpass und Highpass. Sidechain kann auch benutzt werden, was ich in diesem Fall wahrscheinlich eher selten machen.
Auf der linken Seite habe ich Attack im Zugriff, auf der rechten Seite Sustain. Ich deaktiviere Attack und höre jetzt nur noch Sustain.
Oder ich behalte Attack und Sustain, reduziere aber die Lautstärke von Sustain. Somit habe ich automatisch mehr Transienten bzw. kann diese besser hören.
Mein Metall-Schlag hat in den Transienten auch einen metallischen Grundsound, den ich entfernen möchte. Dafür ziehe ich Spectral im linken Attack-Feld nach unten. Andersrum könnte ich es auch betonen. Vergleichbar ist das mit dem Eventide Split-EQ. Mit MinFreq kann ich die tiefste Frequenz einstellen, alles darunter wird nicht beeinflusst.
Für mehr Soundveränderungen sorgen Saturation und Distortion. Saturation hebt noch mal den Transienten an, während Distortion klar den Sound verändert. Bei Distortion hätte ich mich noch über mehrere Algorithmen gefreut und eine Einschränkung des Frequenzbereichs. Eine tolle Kombi ist die Anhebung der Saturation in der Attack und etwas Distortion in Sustain.
Bisher waren wir im Tone Mode. Im EQ Mode haben Attack und Sustain zwei unabhängige Equalizer, die drei Bänder umfassen:
Band 1: Shelf, Peak (Bell), Pass 1, Pass 2
Band 2: Peak (Bell)
Band 3: Shelf, Peak (Bell), Pass 1, Pass 2
Damit reduziere ich jetzt in der Attack die Mitten, hebe aber dafür Bässe und Höhen an. Im Sustain-Material cutte ich dagegen etwas die Bässe und Höhen und lasse damit mehr Luft für die Mitten. Sehr cool ist, dass jedes Band auch einen Drive-Regler hat. Damit schiebe ich Attack noch mal schön weit nach vorne.
Etwas schade ist, dass ich entweder Tone Mode oder EQ Mode nutzen kann, beides gleichzeitig ist nicht möglich. Dafür muss ich dann zwei Instanzen von Transforce öffnen.
Mehr „oomph“ schafft Stylize. Neben der Frequenz lässt sich die Intensität zwischen Subtle und Hard einstellen. Neben dem Bass-EQ auf dem Signal ist Stylize noch mal ein richtiger Booster. boomlibrary warnt aber davor, Transforce parallel zum Original-Signal zu nutzen, da mit Phasen gearbeitet wird und es somit zu Phasenauslöschungen kommen kann.
Weiter geht es mit dem Clipper, der das Signal noch mal richtig schön kaputt machen kann. Zum Glück gibt es hier einen Mix-Regler, so dass ich das geclippte Signal nur leicht dazufahre.
Im schlimmsten Fall habe ich durch das Anheben der Transienten zu viel Pegel, der durch den Limiter wieder abgefangen werden kann. Es gibt aber noch eine Bonus-Funktion: Um denselben Pegel, um den man den Threshold runterzieht, erhöht sich der Output. Man kann den Limiter am Ende also noch mal schön reinfahren. Gain scheint aber hinter dem Limiter zu liegen, denn ein Anheben von Gain kann für ein Signal oberhalb von 0.0 dBFS sorgen.
Die untere Sektion bietet bis zu vierfachem Oversampling und Lookahead bis zu 10ms, womit die Transienten besser erkannt werden. Die Basics bilden den Rest: Input und Output. Komisch ist, dass Input und Output das Signal auch leiser machen, wenn das PlugIn im Bypass-Modus ist. Das erschwert den A/B-Vergleich und ist sicher nicht gewollt, oder? Abhilfe schaffe ich mir mit Gain im PlugIn.
Bisher habe ich nur mit Soundeffekten gearbeitet. Stattdessen nehme ich jetzt eine akustische Gitarre und probiere ein paar Presets. Hier muss man aufpassen, denn viele Presets erhöhen die Lautstärke teilweise extrem. Man bekommt aber einen tollen Eindruck, was man alles mit Transforce anstellen kann. Es gibt auch Presets für Drums, die mehr Effekt haben als ein simpler Transient Shaper.
bomm library Transforce im Video-Test
View: https://youtu.be/mQwPBHB25Fs
Fazit
Transforce ist ein PlugIn, das Sounds moderner wirken lässt. Die Trennung von Attack und Sustain und deren getrennter Bearbeitung erlaubt es, das Signal gezielt mit mehr Punch zu versehen. Dabei helfen auch EQs, Saturation und Drive. Schüsse klingen noch näher oder weiter weg, bei einem Monster-Grollen sind Schmatzer und der Dreck hörbarer oder Foleys werden etwas entschärft. Ich kann mir auch gut vorstellen, Dance-Pianos oder Pluck-Sounds damit zu bearbeiten.
Hersteller: boomlibrary
Format: VST3, AU, AAX
Preis: 119 € (early bird 95,20 €) zzgl. MwSt.
boom library auf Thomann.de: https://www.thomann.de/de/cat_BF_boom_library.html*
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